Full text: Volume (6 (1916))

Zur Charakteristik d. geistl. Gerichtsbarkeit im spät. M.A. 249

die hinter ihr früher oder später drohende Exkommunikation
teilnehmen. Es ist deshalb kaum zu begreifen, daß Bischöfe
erpresserische Anwandlungen ihrer Offiziale nicht gleich mit
Stumpf und Stil ausrotten. Eine Würzburger Ordnung der
geistlichen Gerichte von 1342 § 4 c belegt aber in Er-
pressungsfällen nur die (vom Volke häufig mit besonderem
Hasse verfolgten) Boten (unten S. 290) der geistlichen Ge-
richte mit Strafe. Erst achtzig Jahre später rafft sich eine
weitere Ordnung von 1422 § 40 zu einer exemplarischen Be-
strafung der schuldigen Offiziale selbst auf. Im Wieder-
holungsfälle sollen sie aus der Diözese ausgewiesen werden.1)
Eine große Rolle spielt der Kirchenbann bei der Ein-
treibung der im späteren Mittelalter ohnehin nicht sonder-
lich beliebten Kirchenzehnten.2) Eine Sammlung von
332 Bannzetteln für die verschiedenen Stadien der Zehnt-
verweigerung, meist aus dem fünfzehnten Jahrhundert, 'die
der Breslauer Offizial . . . gegen die zehntpflichtigen Dörfer
des Prämonstratenserklosters zu St. Vincenz bei Breslau
ausgehen ließ', läßt schon erkennen, daß man hier 'nicht
Ausnahme-, sondern Gewohnheitsmaßregeln der geistlichen
Steuererhebung’ begegnet. Daher widersetzen sich die kirch-
lichen Interessenten auch der Milderung des auf dem Kir-
chenbann beruhenden Eintreibungsverfahrens, wie sie z. B.
für Breslau in dem Kolowratischen Schiedsspruch vom
3. Februar 1504 verfügt wird. 'Wo immer durch die Refor-
mation die kirchliche Banngewalt gebrochen wurde, ertönten
die Klagen der wehrlosen Geistlichen über den Verlust von
Zins und Zehnt.’ — Schon am 7. Februar 1312, d. h. in einer
Zeit, in der die Parlamentsaufsicht über die Rechtmäßigkeit
geistlicher Strafen in Frankreich noch keineswegs durch-
gesetzt ist, hatte König Philipp der Schöne von Frankreich
einem Bischöfe die Zurücknahme geistlicher Strafen befoh-
len, weil sie wegen Nichtentrichtung 'neuer und ungewöhn-

r) Krieg 8. 93. 129.
2) Für das Folgende: A. O. Meyer 8. 66ü. 70. 135. 165. Vgl.
Riedner II Nr. 53 8.181; Nr. 77 II § 6 8. 236 und Register. Die Zu-
ständigkeitsabgrenzung zwischen geistlichem und weltlichem Gericht
wegen 'geistlicher Zinse’, d. i. Renten usw., verursacht besondere Schwie-
rigkeiten: Nr. 14 S. 63; Nr. 15 § 10 8. 66k.; Nr. 32 § 10 8. 132t.

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