Full text: Volume (6 (1916))

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Justus Hashagen,

gewalt ist das Ansehen des Strafenden geschädigt worden.
Dieser Tatsache dürfte der allgemeine Eindruck, der in
folgenden zusammenfassenden Urteilen wiedergegeben ist,
in vollem Maße Rechnung tragen: 'Der Mißbrauch der
Binde- und Lösegewalt und der geistlichen Strafen zu welt-
lichen Zwecken (Bann um Geldschuld; Schuldbriefe mit
Exkommunikationsklausel, sogenannte obligationes de nisi1))
verhärtete und empörte die Seelen.’2) 'Die Übertreibung
und der Mißbrauch der geistlichen Jurisdiktion, die Häufung
der Bannsprüche wegen nichtbezahlter Schulden — also
auch wegen bloßer Armuth — erbitterte das Volk.’3)
Diese Behauptung wäre immerhin weniger berechtigt,
wenn die Anwendung geistlicher Strafen und Zwangsmittel
für weltliche Zwecke durchweg als Ausnahme bezeichnet
werden könnte. Das ist aber je länger, je weniger der Fall.
Zwei neuerdings angestellte systematische und nach Vollstän-
digkeit strebende Untersuchungen über das Interdikt, von
denen die eine einen zeitlichen, die andere einen örtlichen
Rahmen wählt, und die beide über die kanonistische Theorie
hinaus die geschichtliche Wirklichkeit nüchtern ins Auge
fassen, haben für die Interdiktsverhängung 'ein starkes Über-
wiegen der Gründe rein weltlicher Art’ ergeben. 'Die geist-
lichen Motive treten ihnen gegenüber ganz in den Hinter-
grund. Die Zahl der Fälle, in denen das Interdikt angewandt
wurde, um schweres ethisches oder religiöses Unrecht unter
Strafe zu stellen und die Gläubigen zur Erfüllung ihrer
kirchlichen Pflichten anzuhalten, ist sehr gering. Ungleich
geschrieben, S. 118 (vgl. 403) aber im Anschluß an Hurter doch warm
verteidigt.
x) Friedberg, Gränzen 8. 47; A. O. Meyer S. 131; Eichmann,
Recursus 8. 19k. Acht und Bann 8. 71. Riedner 8. 66. Le „liber
de excommunicacione“ du Cardinal B6renger Fr6dol, pr6c6d6 d une
introduction historique sur 1'excommunication et l’interdit en droit
canonique de Gratien ä la fin du 13 e siede par E. Vernay 1912, p. 35
n. 4 der Einleitung.
2) Stutz, Kirchenrecht 2 8. 340; vgl. 8. 337; Sägmüller 3II S. 363
und besonders A. Werminghoff, Geschichte der Kirchenverfassung
Deutschlands im Mittelalter 1 (1905) 8. 266. Diese Bemerkungen sind
in der zweiten Bearbeitung (1913) 8. 95f. leider gestrichen. Auch sonst
kann die erste neben der zweiten Bearbeitung nicht entbehrt werden.
3) Stüve I 437.

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