Full text: Volume (6 (1916))

L36

Justus Hashagen,

'Spitze gegen das kirchliche Recht’ damit ausbrechen wollen,
daß man ihn als Übersetzung aus Rolandus, dem späteren
Rapste Alexander III., zu entwerten sucht, welcher sagt:
Anathema non corporalis, sed spiritualis multatio. Aber
selbst wenn das richtig ist — weitere aus Bernhard von
Pavia und Rufinus1) angeführte Parallelen beweisen nichts
—, so erhält jener Satz im Munde des laienfreundlichen2)
Spieglers doch seine besondere Bedeutung. Mag Eike auch
vielleicht nicht 'der animose Gegner des kanonischen Rechts-
systems und des mittelalterlichen Papsttums’ gewesen sein,
'als welcher er gerne hingestellt wird’3), und mag er noch
so welfiseh4) gesinnt gewesen sein: an seiner grundsätzlichen

Dem zweiten Teile des Satzes gibt Eiehmann zwei Deutungen, ohne
eine Entscheidung zwischen ihnen zu treffen. Entweder besage er, 'daß
durch den Bann keine bereits vor der [Bann-] Sentenz vertragsmäßig
erworbenen Rechte entzogen würden5, oder aber weit schärfer: 'daß der
Bann keinerlei rechtsmindernde Wirkung auf weltlich -bürgerlichem Ge-
biete habe5. Daß aber diese zweite schärfere Deutung geboten ist, folgt
doch wohl aus dem Zusatze über die Acht des Königs. Der Spiegler
will sagen: Kränkung an Land- und Lehnrecht kann noch nicht der
Bann allein, sondern nur in Verbindung mit der Acht bewirken. Der
'nur5 Gebannte wird auch nur vom geistlichen, nicht auch vom weltlichen
Gerichte fortgewiesen. In diesem Zusammenhänge kann die 'Kränkung5
sich doch wohl nicht auf die rückwirkende, sondern muß sich auf die
gegenwärtige und zukünftige rechtsfähigkeitsmindernde (unten 8. 279)
Kraft des Bannes beziehen. Nur so kann auch ein Einklang mit II 62
§ 2f. 8. 292 (unten 8. 279) hergestellt werden. Die chronologische Schwie-
rigkeit, auf welche diese zweite schärfere Deutung stößt, räumt Eich-
mann selbst beiseite, indem er die Abfassung von III62 § 2 des Landrechts
vor der ihr widersprechenden Confoederatio cum principibus ecclesiasticis
vom 26. April 1220 (und vor dem Lehnrecht) wahrscheinlich macht. Des-
halb ist auch die zusammenfassende Bemerkung 8. 83 teilweise zu be-
anstanden, und der hier kritisierte Hinschius dürfte ebenso wie Fried-
berg, De finium etc. p. 158 n. 2, Gränzen 8. 59 und Ott 8. 51 gegen
Eichmann im Rechte sein. Vgl. zur Kritik Eichmanns K. Zeumer
im Neuen Archiv 36 (1911) 8. 271.
x) Eichmann im Historischen Jahrbuch 31 (1910) 8. 325 Anm. L
*) Homeyer 8. 22. Ob in III 1 § 1 S. 301 (nur solche Häuser, in
denen Notzucht verübt worden ist, dürfen niedergelegt werden) eine Spitze
gegen das vom Spiegler im übrigen anerkannte Ketzerrecht liegt, wäre
noch zu untersuchen. Vgl. Lea I 8. 540.
3) Eichmann 8. 333. 4) Eichmann in der Zeitschrift der
Savigny-Stiftung, Kanonistische Abteilung 1 (1911) 8. 175.

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