Full text: Volume (6 (1916))

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Heinrich Singer,

richtig ist, daß die Reihe der systematisch geordneten
65 Kapitel (zu denen auch das c. Quia frequenter gehört)
die ursprüngliche, in der Folge durch Anhänge erweiterte
Sammlung darstellt, so dürfte doch auch die Entstehung
der Sammlung in ihrer ursprünglichen Gestalt höchstens
um zwei Dezennien früher angesetzt werden. Der Text
des c. Quia frequenter, welcher in der Vorlage der Prager
Handschrift enthalten war, stammte also schon aus der
Zeit nach Gregor X., und diese „Extravagante“ des Papstes
Innocenz IV. konnte demnach damals nicht mehr geltendes
Recht sein, selbst wenn sie — was aber u. E. sehr unwahr-
scheinlich ist — überhaupt von Innocenz IV. als Gesetz
publiziert worden wäre. Der Verfasser der Sammlung hat
jedenfalls einen Text aufgenommen, der jünger und ver-
mutlich (wenn wir nicht alle Fehler der Prager Handschrift
deren Schreiber auf Rechnung setzen sollen) auch erheblich
schlechter war, als der, uns leider nicht vollständig erhaltene,
ältere Text des c. Quia frequenter, welchen die Überlieferung
der Schule den unmittelbaren Zeitgenossen und Gehilfen
Innocenz’ IV. verdankte. Aber gerade der Umstand, daß
der uns in der Prager Extravagantensammlung (in welche
ja das c. Quia frequenter nur infolge der Kritiklosigkeit
ihres Verfassers Aufnahme gefunden hatte) zugängliche Text
von der Schule überhaupt nicht berücksichtigt oder auch
nur beachtet worden ist, verleiht diesem Texte, auch ab-
gesehen von seiner Vollständigkeit, für uns nicht nur einen
Seltenheitswert, sondern auch ein besonderes Interesse: er
ist jünger, aber doch in gewissem Sinne ursprünglicher, als
jener der Schule; seine Überlieferung ist kritiklos und wim-
melt von Fehlern, aber sie ist gewiß frei von jeder Tendenz.
Und in diesem Sinne räumen wir in der folgenden Über-
sicht der*Überlieferung des c. Quia frequenter dem Prager
Texte den ersten Platz und den Vorrang ein vor dem älteren
und korrekteren, den wir aber nur in verkürzter Gestalt
aus den Belegstellen kennen, welche ein und der andere
Vertreter der Schule in seine Deduktionen über das Recht
der Papstwahl aufgenommen hat.
Die Handschrift XVII. A. 15 *) (Cod. membran.
*) Die frühere Signatur: I. B. 4; so war die Handschrift noch he-

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