Full text: Volume (6 (1916))

Das c. Quia frequenter.

11

Italiens schon so gut wie gänzlich verschollen war. Seit
dem dritten Jahrzehnt des 17* *. Jahrhunderts verschwindet
jedoch das c. Quia frequenter vollständig aus der Literatur:
niemand macht desselben mehr Erwähnung, und nur so
läßt es sich erklären, daß in neuester Zeit Kanonisten und
Historiker die von ihnen wieder aufgefundenen Texte des
c. Quia frequenter als Zeugnisse eines von ihnen entdeckten,
vordem unbekannten Papstwahlgesetzes betrachten konnten.
Diese unsere Behauptungen im einzelnen näher zu be-
gründen, ist die Aufgabe der folgenden Darstellung.
II. Das c. Quia frequenter in der Prager Extra-
vagantensammlung [Ende des 13. Jahrhunderts]
— die Zeugnisse und Stimmen der Zeitgenossen
Innocenz’ IV. sowie die Überlieferung der Schule
— die vermeintliche Dekretale ist wohl über-
haupt nicht als Gesetz promulgiert worden und
war sicher niemals geltendes Recht. — Die An-
sichten der Schule und die allgemein verbreiteten
Auffassungen über die durch die Stimme des Ge-
wählten zu seinen Gunsten entschiedene Wahl.
Die Prager Extravagantensammlung, bekanntlich ein
Komplex in authentische Sammlungen nicht aufgenomme-
ner Dekretalen aus der Zeit von Gregor IX. bis auf Boni-
faz VIII., enthält einen vollständigen, aber sehr inkorrekten
Text des c. Quia frequenter. Die uns in der einzigen er-
haltenen Handschrift vorliegende, erweiterte Gestalt dieser
Sammlung kann jedenfalls erst unter Bonifaz VIII. ent-
standen sein1), und selbst wenn die Annahme Schuttes
Konstitution Gregors XV. über die Reform der Papstwahl durch Ur-
ban VIII., verfaßt hat. (Die Handschrift ist zuerst von \yahrmund
für seine im Jahre 1892 im Archiv f. hathol. Kirchenr. [Bd. 67] veröffent-
lichte Abhandlung „Die Bulle Aeterni patris filius und der staatliche
Einfluß auf die Papstwahlen“ benutzt worden; Wahrmund geht auf
den uns hier allein interessierenden „eigentlichen historischen Teil der
Arbeit“ Coccinis nicht näher ein und verzeichnet a. a. O. S. 287ff. nur
die Kapitelüberschriften.)
*) Vgl. Schulte, Sitzungsber. Bd. 55 8. 756. 757; seine Angabe
„nach Gregor X.“ ist aber wohl nicht präzis und bestimmt genug, es
sind ja Dekretalen Bonifaz' VIII. aufgenommen.

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer