Full text: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte / Kanonistische Abteilung (6 (1916))

Die römischen Eide der deutschen Könige. 193
qualiter leiste. Die angezogene Stelle1) der libri feudorum
lautet nämlich: qualiter debeat iurare vasallus fidelitatem...
Si vero domesticus, id est familiaris, eius sit, cui iurat, aut
si ideo iurat fidelitatem, non quod feudum habeat sed
quia sub iurisdictione eius sit, cui iurat, nominatim
vitam, membrum, mentem et illius rectum honorem iurabit.
Der Kaiser war zwar nicht domesticus, aber doch „familiaris“
des Papstes durch die Adoption; er stand außerdem in
spiritualibus und nach kurialer Ansicht auch in temporalibus
unter der Jurisdiktion des Papstes. — Die Antwort Cle-
mens* V. auf den Protest des Kaisers war die autoritative Er-
klärung durch die Bulle Romani principes vom 4. März
13142): „declaramus et etiam diffinimus, illud iuramentum
fidelitatis existere ac censeri debere“. Es sei lächerlich,
sich an den Wortlaut zu klammern; seinem Sinn und Wesen
nach sei der von Heinrich geleistete Eid ein „iuramentum
fidelitatis“, da die in der Formel (des c. 18 C. 22 qu. 5) ent-
haltenen capitula (incolume, tutum etc.) sich sachlich in
dem Eide Heinrichs aufzeigen lassen. Johann XXII. tat
noch ein übriges, indem er die Bulle mit dem Zusatze, daß
auch die Eide Albrechts und Rudolfs „iuramenta fidelitatis“
seien, in die 1317 von ihm publizierten Clementinen auf-
nehmen ließ. Somit ist die päpstliche Lehenshoheit über
das Kaisertum ein Satz des kanonischen Rechtes geworden.3)
Die Publizistik hüben und drüben hat den Streit noch
eine Zeitlang fortgesponnen. Auf der päpstlichen Seite
Alvaro Pelaio, de planctu ecclesiae (1332) I 684): im-

x) II 5. Lehmann, Das langobardische Lehenrecht 120.
2) MG. Const. IV 1207.
3) Hugelmann, Königswahl 116. Ebenda Anm. 4 macht Hugel-
mann auf die Glosse zu Romani principes v. fidelitatis aufmerksam:
„in quo et quid differat (fidelitas) ab homagio, dicam infra de re iudic.
c. pastoralis § rursus“ (c. 2 in Giern. 2, 11). An der bezogenen Stelle
versteht aber die Glosse unter fidelitas die Lehenstreue, die sich natür-
lich vom homagium unterscheidet. Sonach kann nicht gesagt werden,
daß die Glosse einen Unterschied mache zwischen fidelitas und der
spezifisch vasallitischen Treue.
4) Eichmann, Quellensammlung, Kirche und Staat II 108;
R. Scholz, Unbekannte kirchenpolitische Streitschriften aus der Zelt
Ludwigs des Bayern II 1914, 513.
Zeitschrift für Rechtsgeschichte. XXXVII. Kan. Abt. VI.

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