Full text: Volume (6 (1916))

Die römischen Eide der deutschen Könige.

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Gegeneid des Papstes bzw. der Kardinale seit dem 12. Jahr-
hundert verzichteten; bei der Begründung des Lehens-
verhältnisses schwört ja auch nur der Mann, nicht der
Herr. Dann hatte Kaiser Lothar sich vom Papste mit den
Mathildischen Gütern belehnen lassen und dadurch Ver-
anlassung zu jenem Bild im Lateran gegeben, welches den
Kaiser als Vasallen des Papstes darstellte.1) Und derselbe
deutsche König, welcher dieses Bild und die Unterschrift
,,homo fit papae“ anstößig fand und deren Entfernung ver-
langte, hat nach dem glaubwürdigen Bericht Bosos seinen
Krönungseid kniend geleistet, indem er seine Hände in die
des Papstes legte!2) Heinrich VI. soll, wie Innocenz III.
berichtet, nach dem Empfang der Kaiserkrone den Papst
gebeten haben, ihn mit dem Kaisermantel zu investieren.3)
Wenn dann Innocenz III. das Kaisertum als päpstliches
Amtslehen betrachtete, so ist ihm Otto IV. doch allzuweit
entgegengekommen, wenn er ihn „seinen Herrn“ anredete4)
und sich selbst als König von Gottes und des Papstes
Gnaden5) bezeichnete. Friedrich II. hat sich in die Vasallität
des Papstes begeben, indem er von ihm Sizilien zu Lehen
nahm; er hat hierbei den Lehenseid und das hominium ge-
leistet.6) Auch er nennt den Papst „seinen Herrn“ und ist
König von seinen Gnaden. So hatte es also weder an Ver-
suchen der Kurie, den Kaiser zum persönlichen Vasallen
x) Ficker, Heerschild 33ff. meint, es sei nur ein lehnsweiser Besitz
ohne Mannschaft gewesen; ebenso Bernhardt, Lothar von Supplin-
burg 483. Allein aus dem Umstande, daß der Eidesleistung, des homi-
nium und der Investitur in dem Privileg von 1133 nicht gedacht wird,
folgt nicht, daß sie nicht stattgefunden haben. Das Bild im Lateran,
welches Lothar darstellte, wie er kniend seine gefalteten Hände in die
des Papstes legte, muß einen tatsächlichen Vorgang zur Voraussetzung
haben.
2) Vita Hadriani IV, Duchesne, Lib. Pont. II 392: genua sua
fixit coram, eo et manus suas inter ipsius pontificis manus imponens.
3) Reg. de neg. imp. n. 29, Migne, PL. 216, 1025: per pallam
auream petiit investiri.
4) Vgl. oben 8. 177.
5) Schreiben von Ende Juli 1208, MG. Const. I 32.
6) Sein Lehenseid vom Februar 1212, MG. Const. II 542. Inno-
cenz IV. 1245 (c. 2 in VIt0 2, 14; MG. Const. II510): ligium hominium
in eius faciens manibus.

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