Full text: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte / Kanonistische Abteilung (6 (1916))

190

Eduard Eichmann,

Die kuriale Auffassung vom Imperium als päpstlichem
Amtslehen ist in dem Glauben an die Konstantinische
Schenkung verankert; mit ihm steht und fällt der päpst-
liche Imperialismus. Nach dieser Fälschung ist der Papst
der „verus imperator“* 1), dem es allein zusteht „uti im-
perialibus insigniis“.2) Der Papst-Kaiser vergibt, verleiht
das Imperium als beneficium an den römischen König,
seinen Mandatar oder vicarius; die weltliche Gewalt ist
ein Ausfluß der Allgewalt des Papst-Kaisers. Vielleicht hat
niemand diesem System einen präziseren Ausdruck ver-
liehen als Gervasius von Tilbury in seinen otia imperialia
II 183) (ca. 1210), welcher den abgesetzten Otto IV. also
tröstet: Profecto imperium tuum non est, sed Christi, non
tuum, sed Petri. Non a te tibi obvenit, sed a vicario Christi
et successore Petri . . . Petro Constantinus imperium Occi-
dentis dedit . . . Beneficio papae, non suo, Roma tempore
Karoli nomen recepit imperii; beneficio papae Francorum
regi confertur imperium ; beneficio papae regi nunc Teuto-
num et non Francorum debetur imperium. Non cedit cui
vult Teutonia, sed cui cedendum decrevit papa.
Es läßt sich nicht bestreiten, daß die deutschen Könige
selbst der kurialen Auffassung Vorschub geleistet haben.
Das officium strepae et stratoris war zwar von Pippin und
früher schon den Päpsten erwiesen worden, wo von Vasallen-
fürsten der Kurie noch keine Rede sein konnte; aber es
gehörte doch im hohen Mittelalter zu den Diensten oder
wenigstens zu den Ehrendiensten des Mannes.4) Eine An-
gleichung an das Lehensverhältnis wurde dann hauptsäch-
lich dadurch hergestellt, daß die deutschen Könige auf den

das hominium geleistet; er habe außerdem bei seiner Krönung geschworen,
die Rechte und Besitzungen der römischen Kirche zu schützen und zu
erhalten und habe diesen Eid später als Kaiser bestätigt. Diese drei Eide
habe er gebrochen. Sonach dürfte Weiland Recht behalten.
1) Summa Coloniensis ca. 1170, ebenso Summa Parisiensis. Eich-
mann, Quellensammlung, Kirche und Staat 1126.
2) Dictatus papae n. 8. Eichmann, ebenda 113.
3) MG. SS. XXVII 378.
4) Sachsenspiegel, Lehenrecht 66 § 5; Homeyer, Sachsenspiegel
II2, 382.

Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer