Full text: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte / Kanonistische Abteilung (6 (1916))

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Eduard Eichmann,

Daß Clemens hierunter einen Lehenseid meinte, ist ohne
weiteres klar ; er stellt beide Fürsten hinsichtlich ihrer
Eide auf die gleiche Stufe, den Kaiser und den Lehensmann
der Kurie, und hat damit nur eine Auffassung vertreten,
welche sowohl in der kanonistischen Doktrin wie bei der
Kurie gang und gäbe geworden war. Betrachten wir die
Theorie — denn mehr war sie glücklicherweise nicht — in
ihrem historischen Zusammenhänge. Daß schon in den
Briefen des Codex Carolinus mit dem Gedanken gespielt
worden ist, haben wir oben gezeigt. Nach dem Gregoriani-
schen Königseid von 1081* 3 4) sollte der Anwärter der Kaiser-
würde versprechen, ein miles 8. Petri et illius (sc. Papae),
d. h. also ein Vasall des hl. Petrus und ein persönlicher
Vasall des Papstes zu werden. In dem Schreiben an Fried-
rich I. vom 20. September 11572) hatte Hadrian IV. das
Imperium als päpstliches „beneficium“ bezeichnet. Die
Erregung Friedrichs I.3) hierüber ist verständlich im Zu-
sammenhang mit jenem Bild im Lateran, welches den
Kaiser Lothar II. als Vasallen des Papstes darstellte und
die Unterschrift trug: homo fit papae.4) Hadrian suchte
darauf den Kaiser durch die Erklärung zu beruhigen5), daß
er unter dem Wort ,,non feudum, sed bonum factum“ ver-
standen wissen wollte. In diesem Zusammenhänge mag
auch an die Weigerung Friedrichs zu Sutri 1155, dem Papst
den Steigbügel zu halten, erinnert werden; erst als man
ihm nachgewiesen hatte, daß dieser Dienst herkömmlich
sei, hat er sich dazu verstanden, aber nur „pro reverentia
beatorum apostolorum“.6) Die führenden Kanonisten des
13. Jahrhunderts sahen im Kaiser einen päpstlichen Va-
sallen, im Reich ein Lehen der Kirche. Die Glossa ordinaria
zum Gratianischen Dekret (Johannes Teutonicus) bezeichnet

x) Jaffe, Bibi. II475. 2) MG. Const. 1229.
3) Rundschreiben vom Oktober 1157, MG. Const. 1230; an die
deutschen Bischöfe 1158, ibd. 233.
4) Otto von Freising und Rahewin, Gesta Friederici imp. 11110,
MG. SS. XX 421. Ausgabe der Script, rer. germ. von Waitz-Simeon
p. 177.
5) Schreiben vom Juni 1158, MG. Const. 1234.
B) Boso, Vita Hadriani IV, Lib. Pont. II 391.

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