Full text: Volume (6 (1916))

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Eduard Eichmann,

eigentümlich seien. Die deutschen Könige hätten aber, von
Albrecht I. abgesehen, niemals einen solchen Eid geleistet,
also sei der Eid des Oeneius II ein „Phantasieeid“. Die-
mand s Voraussetzung ist unhaltbar, wie wir oben dargetan
zu haben glauben. Wenn „fidelitas“ dem Lehenseid eigen-
tümlich wäre, so könnte man, da auch die Päpste den
Kaisern, wenigstens noch im 11. Jahrhundert, „fidelitas“
geschworen haben, nach Günter geradesogut behaupten,
daß die Päpste kaiserliche Vasallen geworden seien! Der
Wegfall des Fidelitätseides im Zeremoniell mag sich ganz
einfach daraus erklären, daß er vor der Krönung schon
zweimal geleistet war, so daß die Kurie auf eine nochmalige
Wiederholung verzichten konnte.
5. Eine besondere Betrachtung erfordert der vom Her-
kommen erheblich abweichende Eid Albrechts I. vom 17. Juli
1303J) Zunächst erkennt der König an, daß das Reich
durch den apostolischen Stuhl von den Griechen auf die
Deutschen übertragen, das Wahlrecht gewissen Fürsten
durch denselben hl. Stuhl verliehen worden sei, von welchem
Könige und Kaiser auch die weltliche Gewalt empfangen,
und daß die römischen Könige, welche durch den hl. Stuhl
zu Kaisern erhoben werden, hauptsächlich und besonders
zu dem Zweck von ihm „angenommen“ werden, damit sie
Vögte der hl. Kirche und die besonderen Verteidiger des
katholischen Glaubens und derselben Kirche werden. Des-
halb werde er sich alles dessen enthalten, was der Kirche
zum Schaden gereichen könne und wodurch zwischen „sei-
nem Herrn“, dem Papst und dessen Nachfolgern einerseits
und ihm und seinen Nachfolgern anderseits Mißhelligkeiten
entstehen könnten; und er müsse mit ergebener und eifriger
Hingabe alles fördern, was der Christenheit Frieden und
Ruhe bringe und Mißverständnisse und Übel wegräume,
welche die Liebe des Papstes und der Kirche zu ihm min-
dern oder trüben könnten. Hier schließt sich nun die be-
rühmte Eidformel an: (1) Iuro etiam . . . quod ero fidelis
et obediens beato Petro et vobis vestrisque successoribus
canonice intrantibus sanctaeque apostolicae Romanae eccle-

q MG. Const. IV 155.

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