Full text: Volume (6 (1916))

Die römischen Eide der deutschen Könige. 145
vor der Krönung schwören läßt, ,,si fidelis vellet Romanae
patronus esse et defensor ecclesiae, sibi autem suisque suc-
cessoribus per omnia fidelis“.1) Haller spricht hierbei
immer vom „Vertrag von Ponthion“, ohne zwischen Schutz-
vertrag und Bündnis zu unterscheiden; er zieht daher für
seine These sowohl Stellen heran, die sich auf den Schutz-
vertrag, als auch solche, die sich auf das Bündnis beziehen.
Auf die Frage, ob durch das „Bündnis“ ein vasallitisches
Verhältnis begründet worden ist, werden wir im 2. Teile
dieser Abhandlung eingehen. Hier handelt es sich nur
darum, ob seine Behauptung für den Schutz vertrag von
Ponthion zutreffe.2)
Die fränkische Gefolgschaft wird begründet3) durch
die Kommendation, versinnbildet durch die Handreichung,
wobei der Gefolgsmann seine gefalteten Hände in die Hände
des Herrn legt, und durch Treueid des Mannes. Die Gegen-
leistung des Herrn besteht in einer Gabe: Unterhalt, Aus-
rüstung (Pferde, Waffen), Kleinodien (Ringe, Spangen);
einen Eid leistet der Herr dagegen nicht. Der Mann schuldet
dem Herrn Dienste, Gehorsam und Treue (fidelitas), der
Herr schuldet ihm Schutz (defensio).
Sind diese charakteristischen Momente beim Schutz-
vertrag von Ponthion gegeben?
Die Metzer Annalen berichten4) über die Begegnung
2U Ponthion, daß der Papst am Tage nach seiner Ankunft,

x) S. 75.
2) 8. 65 bezeichnet Haller als Inhalt des Vertrags die durch Kom-
mendation begründete Schutzherrschaft, 8. 66 die Aufnahme der römi-
schen Kirche und des römischen Volkes in den fränkischen Königsschutz
(mundiburdium), dessen Kehrseite die Königsherrschaft sei. Allein die
Aufnahme in das mundiburdium hat für den Schützling zur Folge, daß
er Abgaben zu zahlen oder Dienste zu leisten hat. Das trifft hier nicht
zu. Sodann steht diese Annahme in Widerspruch mit der Behauptung
eines vasallitischen Verhältnisses; denn durch die Aufnahme in den
Königsschutz, welche allerdings in Form der Kommendation (Hand-
reichung) geschah, wird der Schützling kein Vasall des Königs. Brunner,
Deutsche Rechtsgeschichte II 48 ff.
3) Vgl. H. Brunner, Deutsche Rechtsgeschichte II 258ff.; V. Eh-
renberg, Commendation und Huldigung nach fränkischem Recht. 1877.
4) Über die Glaubwürdigkeit des Berichtes Caspar S. 13 A. 1.
Zeitschrift für Rechtsgeschichte. XXXVII. Kan. Abt VI. 10

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