Volltext: Band (6 (1916))

Die römischen Eide der deutschen Könige.

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genommen; er sucht aus dem Fehlen des „fidelis ero",
„fidelitas" in der Eidformel begreiflich zu machen, daß die
Kaiser die Eide leisten konnten, ohne ihrerseits an Vasallität
denken zu müssen, und hofft so die notwendige Ergänzung
zu Mo eil er bieten zu können.
So beachtenswert manche Gesichtspunkte sind, welche
von den genannten Forschern aufgestellt worden sind1), so
hat doch keiner von ihnen das Gesamtproblem auch nur
angefaßt. Es kann nicht dadurch gelöst werden, daß man
einen bestimmten Eid, der zudem ganz für sich steht, aus
der Entwicklung herausgreift ; man muß vielmehr auf die
ersten Anfänge, den Eid und das Bündnis von Ponthion
754 zurückgehen und beide dann bis zur letzten Kaiser-
krönung von 1530 verfolgen. Soll doch schon Pippin durch
den Vertrag von 754 ein Gefolgsmann des hl. Petrus ge-
worden sein!2) Die bisherigen Ergebnisse gehen auch des-
wegen so weit auseinander, weil dem Sprachgebrauch von
fidelis, fidelitas und der im Lehens-, Untertanen- und
Bischofseid gleichmäßig vorkommenden Formel „ero fidelis"
zu wenig Beachtung geschenkt worden ist.

I.
Der Schutzeid.
Die Hauptquelle für die Vorgänge von 754 bilden die
Papstbriefe des Codex Carolinus.3) Daneben besitzen wir
einen römischen Bericht in der vita Stephani c. 25 und 264)
und einen späteren fränkischen Bericht in den Annales
Mettenses priores zum Jahre 753?)

Abdruck aus Forschungen und Versuche zur Geschichte des Mittelalters
und der Neuzeit, Festschrift Dietrich Schäfer zum 70. Geburtstag. 1915,
S. 6-39.
x) Über die ältere Literatur vgl. Renken 7ff.
2) J. Haller, Die Karolinger und das Papsttum, in Historische
Zeitschrift 108. (1912), 38-76.
3) MG. Ep. III 469ss.
4) Duchesne, Lib. Pont. I 447.
s) Scriptores rer. germ. ed. Simson p. 45; MG. SS. I 331.

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