Full text: Volume (6 (1916))

Das c. Quia frequenter.

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formelle Scheinwahl1), die man, ohne Beeinträchtigung
des für den Gewählten schon durch die vollzogene Ado-
ration erworbenen Rechtes, öfter der letzteren folgen ließ.
Da die Wahl durch Adoration nur deshalb als von
Rechts wegen zulässig gelten konnte, weil die Gesetzgebung
den Kardinälen noch immer die Art der Abstimmung
durchaus freistellte, so war ja die Adoration grundsätzlich
nur als eine Art offener Abstimmung zu betrachten, und
dieser Standpunkt hätte konsequenter Weise auch für die
Frage der Selbstwahl die Entscheidung nahegelegt, daß
auch die eigene Stimme des Kandidaten, zu dessen Ado-
ration geschritten werden soll, die zu einem solchen Vor-
gehen erforderliche Zweidrittelmehrheit der Kardinäle
hersteilen könne. In der Theorie wurde auch dieser
Ansicht, wie es scheint, die Berechtigung nicht durchaus
abgesprochen2); die Praxis der Wahlkollegien aber hielt
an der entgegengesetzten Auffassung fest und berief sich
zu deren Begründung einfach darauf, daß der Kandidat
sich doch auch nicht selbst die Huldigung leisten, sich
nicht „selbst adorieren“ könne. Das war nun freilich eher ein
sehr mäßiger Wortwitz, als ein beachtenswertes Argument;
die Wahlkollegien und die leitenden Parteiführer in den
Konklaven mußten aber doch der Erwägung Raum geben,
daß ja ohnedies bei der Adoration die Wahlfreiheit der
Beeinträchtigung und Vergewaltigung preisgegeben, daß
x) Bei dieser „Wahl“ gab dann der zur päpstlichen Würde Er-
hobene seine Stimme entweder dem Dekane des Kollegiums oder aber
einem Kardinal, dessen besonders entgegenkommendes Verhalten an-
erkannt werden sollte.
2) Man erhält wenigstens diesen Eindruck, da sich ja manche
überlieferte Äußerungen und insbesondere die Vorgänge im Konklave
des J. 1592 kaum anders erklären lassen; immerhin ist es aber wohl
eine starke Übertreibung, wenn Giustiniani als Grund gegen die Zu-
lassung der forma adorationis auch anführt: „Saepe etiam dubitandum
est, an suffragium electi inter duas eligentium partes connumerandum
sit, an secus" (ich habe diese, in den Auszügen Wahrmunds nicht vor-
kommende Stelle nach dem bei Coccini p. 59 auf genommenen Texte
Giustinianis abgedruckt — der letztere ist der allerentschiedenste
Gegner der Adorationswahlen, sein Standpunkt ist, „novam eligendi
formam, quae dicitur adorationis, magna ex parte cum iure naturae
pugnare"; vgl. hierüber auch Wahrmund 8. 208. 239ff.).

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