Full text: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte / Kanonistische Abteilung (3 (1913))

Das kanonische Recht in Böhmen und Mähren.

87

die Schaffung von Lehrbehelfen für ein entsprechendes "Wirken
im Beichtstühle und im kirchlichen Gerichte.
Aus der Feder des ersten einheimischen Lehrers des
kanonischen Rechts, mag. Stefan, blieb ein interessanter
Kommentar der Statuten der ersten Provinzialsynode in
Böhmen 1349 erhalten1), der von prozeßrechtlichen Fragen
insbesondere den Gerichtsstand, den Eid, die Notorietät, den
Zeugenbeweis, weiter eine Reihe zivilistischer und krimina-
listischer Materien behandelt. Sehr eingehend werden
Wucherfragen besprochen, einschließlich der quaestiones de
reditu ad vitam, monopolio, poena conventionali, mutuo
civitatis u. ä. Die Arbeit bestätigt es, daß die Behandlung
des Stoffes durch Aufstellung von Casus und Lösung der Quae-
stiones, die bei deren Entscheidung sich ergeben, auch auf
diesem Lehrstuhle Eingang fand, aber es ist nicht zu ver-
kennen, daß bei Erörterung der Wucher- und Testaments-
lehre der Verfasser sich zu einer freieren und selbständigeren
Bearbeitung aufschwingt. Zahlreich sind die Zitate bekannter
Kanonisten, die von reicher Belesenheit des Verfassers ein
sprechendes Zeugnis ablegen. Am häufigsten werden zitiert:
Rayinund, Goffrcdus, Hostiensis, Speculator, Joannes Andreae
und Joannes de Saxonia, außerdem noch Archidiaconus
(Guido de Baisio), Monaldus, Rodoicus oder vielleicht
Redonensis (Guilielmus) (die Handschrift der Prager Uni-
versitätsbibliothek sign. X A. 25 hat irrtümlicherweise das
Zitat Rodanus), Aegidius (de Fuscarariis), Rieh ardus de Media
Villa, Alexander Anglicus.
Einen ziemlich umfangreichen Kommentar zum vierten
und fünften Buche der Dekretalen als Lectura super IV et
V libro decretalium2) schrieb unter Benutzung der Summa
9 M. S. des Prag. Domkap. sign. N 16 fol. 297—321. Die Wucher-
fragen werden behandelt fol. 311—319. Eine zweite Handschrift be-
findet sich (Schulte, Kan. H. S. Nr. 37) in der Prager Univ.-Bibl.
Der Beisatz bei dem Namen des Joannes de Saxonia „qui fecit tabulam
juris“, bestätigt die Auffassung Schuttes, Quell, und Lit. II 386. —
2) Baibin, Bohemia docta II116. In Prager Bibliotheken (Schulte,
Kan. H. 8. Nr. 118 und 219) befinden sich zwei H.8. dieses das 5. Buch
der Dekretalen Gregors IX. behandelnden Kommentars. In. Berlin
(Königliche Bibi. cod. M. 8. lat. 203) werden aber Praelectiones a Bohus-
lao, doctore Prag, studii, habitae de IV. et V. libro anno 1396 auf-

Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer