Full text: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte / Kanonistische Abteilung (3 (1913))

Das kanonische Recht in Böhmen und Mähren.

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Als Besucher Bolognas im XIV. Jahrhundert sind an-
zuführen :
1340 der nachmalige Abt des Klosters zu Opatovic und
böhmische Chronist Neplach1),
und um dieselbe Zeit als Schüler des Joannes Andreae
der nachmalige erste Erzbischof von Prag, Ernst von
Pardubic2), welcher später an der Hochschule zu Padua das
Licentiat decretorum erwarb. Diesem erleuchtetenKirchen-
fürsten verdankte die Kirchenprovinz Böhmen ihre ersten
Synodalstatuten 1.340 und an ihn richtete Gregor XI. sein
Schreiben vom 8. April 1374, womit dieser Papst3) auf
Drängen des Johann Kienkok eine Anzahl von Artikeln
des Sachsenspiegels reprobiertc. Die Kenntnisse Emsts
von Pardubic im Kirchenrecht und seine staatsmännische
Weisheit mußten im Kardinalkollegium wohlbekannt sein,
da bei Erledigung des päpstlichen Stuhls eine größere
Anzahl von Kardinälen diesen Prager Erzbischof mit
der päpstlichen Tiara schmücken wollte.
.Johann von Jenstein, sein zweitnächster Xachfolger im
Amte, dessen schon unter den Besuchern der Universität
zu Paris gedacht wurde, brachte in Bologna ebenfalls
einige Studienjahre zu und trat aus diesem Anlasse zu
dem Rcchtslehrer Johannes de Lignano in nähere per-

1317 p. 73 Angehörige Böhmens oder Mährens waren. Was die beiden
Erstgenannten anlangt, so erwähnen Urkunden 1269 (Reg. Boh. II Nr. 672)
ein Flüßchen Syre, und 1258, 1264 (Reg. Boh. II Nr. 82, 181) einen Ort
Lukowe bei Tischnowitz in Mähren, und 1304 (Reg. Boh. II Nr. 2004)
einen gleichnamigen Ort im Landskroner Bezirk in Böhmen. Was end-
lich den letztgenannten Scholaren betrifft, so kommt in einer Urkunde
1309 (Reg. Boh. II Nr. 2193) ein Hinco Berka de Duba, dictus scholaris,
Sohn des gleichnamigen Oberst-Marschalls von Böhmen vor.
*) Chronicon tjus apudDobner, Monumenta IV 122. — 2) BeneS
de Weitmühl, F. R. B. IV 528. — 3) Der Papst erklärt: „ad reveren-
tiam Dei cinaedam execrabilia scripta, leges seu speculum Saxonum
appellata, reprobavimus" und verfügt die öffentliche Verkündigung der
Reprobation und Nichtigerklärung der verdammten Artikel des Sachsen-
spiegels von allen Kanzeln sowie die Eintragung dieser Anordnung
in libris constitutionum vestrarum curiarum. Über die Erfüllung dieses
Gebots sollte unter Vorlage eines Notariatsinstrumentes dem Papste
Bericht erstattet werden (Tadra, Kanzleien 8.132 A.ll ex docum. Vat.).

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