Full text: Volume (3 (1913))

Das kanonische Recht in Böhmen und Mähren.

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Mährens.1) Dom Rechtsstudium widmeten sich aber ur-
sprünglich alle Besucher, da erst 1316 eine besondere facultas
philosophorum et medicorum anerkannt wurde.2)
Unter den Angehörigen Böhmens, die sich nach Bologna
ihrer Rechtsstudien wegen gewendet hatten, ist an erster
Stelle anzuführen: Damasus 1220—27, der Verfasser des mit
Tankreds Arbeit gleichzeitigen, aber selbständigen, an den
Gang des Verfahrens sich anschließenden, verdienstlichen
ordo iudiciarius, welchen Durantis (in proem. speculi)' und
Joannes Andreac (in den additiones ad speculum) ausdrück-
lich als Boemus bezeichnen. Belege für seine Lehrtätigkeit
zu Bologna, welche eine genaue Kenntnis der Verhältnisse
an dieser Hochschule dartun3), sind noch erhalten. Ihm ge-
bührt das Verdienst, die allgemeinen Regeln, welche den
zugleich angeführten Quellenstellen entnommen sind, als der
erste unter dem Namen Brocarda (125 Sätze) gesammelt
zu haben.4)
Als Scholaren der ursprünglich nur als Rechtsschule
sich entwickelnden Hochschule zu Bologna sind aus dem
XHI. Jahrhundert namentlich anzuführen:
1250 mag. Jakob doctor iuris, canonicus in Breslau5),
Kaplan des Königs von Böhmen;
1268 Magnoldus, ebenfalls Kaplan des Königs von Böhmen:

’■) Nicht immer ging die Berufung zum Rektorat glatt vor sieh.
Im Jahre 1310 hatte sich zum Nachteil der natio germanica irgend-
ein Ungar des Rektorats bemächtigt (se ingesserat officio rectoris) und
in dem infolgedessen enstandenen Streite verteidigte Joannes Andreae
die Rechte der Deutschen gegen den Eindringling und seine Anhänger
(adhaerentes videlicet Burgundi, Poloni, Bohemi et Vascones; cf. Acta
nat. genn. univ. Bonon. pg. 61) für ein Honorar von XII librae, wie er
schon vordem 1301 ihnen in einer Streitsache mit seinem Rate bei-
gestanden war (p. 52). — '-) Savigny 1. c. III S. 178. — 3) Schulte,
Sitz.-Ber. der Wien. Akad. der Wiss. pliil.-hist. Kl. 1870 Oktoberheft
S. 149. — *) Eine Handschrift dieser Arbeit befindet sich in einem
ehemals dem Raudnitzer Kloster gehörigen, vielleicht aus der Schenkung
des Bischofs von Prag Johann IV. herrührenden und sonach aus Frank-
reich stammenden Bande, dermal im böhm. Museum (Schulte, kan.
HS. Nr. 111 8.52). Über seine sonstigen Arbeiten vgl. Schulte, Quell,
und Lit. I 8. 194 und Savigny 1. c. V S. 165. — 8) Pfotenhauer,
Schlesier in Bologna, in der Zeitschrift für Gesch. Schles. 1894 8. 434.

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