Full text: Volume (3 (1913))

Literatur.

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wie später bei Raimund von Penaforte. Bei der Behandlung seines
Stoffes läßt es der Verfasser im allgemeinen an Umsicht, Genauigkeit und
einer bemerkenswerten Kritik, besonders hinsichtlich der Inskriptionen,
(auch gegenüber Bernhards Breviarium) nicht fehlen. Mehrmals bietet
er den Text der Kapitel in einer tendenziösen Überarbeitung, die hie
und da von ihm stammen dürfte. Die Entstehung der Sammlung wird
bald nach dem 7. März 1198 fallen, da ihr jüngstes Kapitel (von Inno-
zenz III.) dieses Datum trägt. Wie dieses, so sind auch die meisten
anderen Nova der Sammlung nach England gerichtet oder sie be-
treffen Engländer. Das läßt den englischen Ursprung der Arbeit ver-
muten, die uns ja, wie es scheint, auch in der Abschrift eines eng-
lischen Schreibers vorliegt. Wahrscheinlicher wird diese Herkunft
noch durch die anscheinend unmittelbare Benutzung der Westminster-
synode von 1175, so gut wie sicher aber durch die der Sammlung
eigentümliche Aufnahme mehrerer in anderen Sammlungen nicht vor-
kommender Papstbriefe, die sich auf das Bistum Durham oder seinen
Bischof Hugo von Puisac (1153—95) beziehen. Ja, man wird in dem
Verfasser bei diesem speziellen Interesse sogar einen Angehörigen dieser
Diözese und wegen einer ebenso auffallenden Vorliebe für die Privi-
legien der Orden, namentlich des Zisterzienserordens, einen Zisterzienser-
mönch vermuten dürfen. In der Pariser Handschrift hat die Sangerma-
nensis noch einen Anhang von 4 Innozenz UL zugeschriebenen Kapiteln,
von denen eines bisher nur aus dem Regest bekannt war und eines
in Wirklichkeit Lucius III. angehört.
Die Erkenntnis von dem überragenden Werte des Breviarium extra-
vagantium Bernhards und sein Gebrauch kamen alsbald auch in den Kreisen
zum Durchbruche, für deren Bedürfnisse die Collectio Sangermanensis
bestimmt gewesen war. So gab man sich denn nicht mehr die Mühe,
diese vollständig abzuschreiben, sondern begnügte sich mit einem Aus-
zuge, der dem Benutzer des Breviarium nur die in ihm nicht vor-
kommenden Stücke der Sangermanensis vermitteln sollte. Einen solchen
fand Singer (8. 74ff., 80 ff., 355ff.) in Cod. 149 der Bibliotheque publique
von Avranches, der aus dem Bibliothekbestande der alten Benediktiner-
abtei Mont-Saint-Michel stammt. Als Codex 8. Michaelis in Periculo
Maris war er schon von Marten e benutzt worden. Seckel wies zuerst
auf die wahrscheinliche Identität dieser Handschriften hin. Die Samm-
lung, die er auch schon in ihr vermutete und Collectio 8. Mich, nannte und
die nun von Singer den Namen Collectio Abrincensis erhält, steht in
einer reichhaltigen Sammelhandschrift, die f. lv und 2r ein Rubriken-
verzeichnis des Breviarium Bernhards, daran anschließend (f. 2r, 1—3)
das unserer Sammlung, sodann f. 7—77 das Breviarium und f. 79—106*
die Abrincensis selbst enthält. Dieser sind noch Anhänge beigefügt,
die anscheinend mit f. 109* 1 abschließen. Die Sammlung ist von
einer Hand des 13. Jahrhunderts geschrieben, ihr Titelverzeichnis, wie
einzelne Abweichungen verraten, nicht nach dieser Handschrift, sondern
nach einer andern Vorlage. Sie ist nur in 9 Bücher eingeteilt, da ihr
Verfasser die stoffverwandten Bücher VIII und IX der Sangermanensis
Zeitschrift für Rechtsgeschichte. XXXIV. Kan. Abt. III. 41

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