Volltext: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte / Kanonistische Abteilung (3 (1913))

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Emil Ott,

Der Staat unterstützte den Besuch fremder Hochschulen
indirekt durch Zollbefreiung der von Scholaren vom Aus-
lande eingeführten (1341 Reg. Boh. IY p. 425) und in
gleicher Weise der zum Austausch ins Ausland ausge-
führten Bücher.1) Ein Beispiel der Entsendung eines jungen
Mannes zum Rechtsstudium ins Ausland und zwar an die
Universität in Orleans auf Kosten des Königs findet sich
aus dem Jahre 1294.2)
In Paris wurden die Ankömmlinge aus Böhmen im
XII. Jahrhundert in die Natio anglicana an der dortigen
Universität aufgenommen3); denn zu derselben gehörten:
omnes venientes ad studium Parisiense de imperio et regnis,
quae in circuitu sunt, videlicet Hungariae. Bohemiae, Polo-
niae etc. (Chartularium univers. Paris. III 757). Seit dem
XIV. Jahrhundert findet man die Böhmen der natio Alle-
in aniae zugercchnct, zu deren Prokuratoren mehrmals auch
Angehörige Böhmens gewählt wurden. Deren Aufgabe war,
in den Versammlungen der Angehörigen der betreffenden
natio den Vorsitz zu übernehmen und über die Geschäfts-
führung, insbesondere auch über Einnahmen und Ausgaben,
genaue Aufzeichnungen zu führen, welche seit 1333 (obwohl
nicht ohne Unterbrechungen) erhalten sind.4) Die magistri
zählten nicht zu den Angehörigen der betreffenden natio,
mit Ausnahme der magistri artium, welche als Studierende
der höheren Fakultäten ihren Studien oblagen. Es war dies
eine überaus zweckmäßige Maßregel, welche bei Gründung
der Prager Hochschule, obwohl die Organisation der Pariser
das Vorbild abgab, nicht übernommen wurde. Der Umstand,
daß in Prag neben den Studierenden auch die Professoren
zu den einzelnen nationes gehörten, wurde nach dem maß-

*) Urkunde Karls IV. 1367: Ryehonem familiarem Rudolf! cano-
nici Pragensis versus Paduam et Bononiam cum libris transeuntem re-
commendamus, quatenus praefatum cum libris et aliis libris suis (sic) sine
exactione thelonei, gabellae . . . transire permittentes ipsum de securo
conductu providere velitis. Vgl. Tadra, Kanzleien und Schreiber in
den böhmischen Ländern unter den Königen aus dem Hause Luxemburg
8. 215 (aus dem Formelbuch des Primda fol. 201 MS.). — 2) F.R. B.IV 62.
— *) Savigny 1. c. III 8. 349. — 4) Liber procuratorum nationis
anglicanae I, umfassend die Jahre 1333—1408; nach Tadra 1. c. 8. 240ff.

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