Full text: Volume (3 (1913))

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Literatur.

stehe und nicht den singuli, ausdrücklich auf die erwähnte Stelle
des Archidiakonus; dem Verfasser ist dies nicht entgangen, aber er
meint auch hier, bei Archidiakonus handle es sich um reine, ganz
unpraktische Konstruktion!) Unseren bisherigen Darlegungen steht
natürlich nicht entgegen, wenn in einzelnen Punkten bei manchem
Kanonisten des 16. Jahrhunderts die Auffassung von der abstrakten
juristischen Person beim Patronatrecht schärfer durchgeführt wird.
Man mag hierfür die vom Verfasser mitgeteilte Stelle aus Rochus
de Curte verwerten, der sich im Gegensatz zur herrschenden Lehre
für die geistliche Natur des Patronats der universitas scholarium
trotz Überwiegens der Laien ausspricht, weil der universitas selbst der
Patronat zustehe. Eine wirkliche Begründung kann ich freilich in
diesen Bemerkungen nicht finden. Und auch hier muß beachtet werden,
daß die Einwendungen gegen die Lehre, welche die Korporationen als
geistliche oder weltliche je nach dem Überwiegen der geistlichen oder
weltlichen Einzelpersonen in ihnen charakterisierte, schon in das
14. Jahrhundert zurückreichen (vgl. zu der ganzen Frage 0. Gierke
a. a. 0. S. 434; zunächst erhob man die Einwendungen nur, um sie
gleich selbst zu widerlegen; erst ein Schriftsteller des 16. Jahrhunderts
erklärt sie für durchschlagend).
Wir sehen, wie der Verfasser den Nachweis zu führen sucht, daß
das katholische Kirchenrecht nur ganz bestimmten juristischen Personen
die Patronatsiahigkeit zugebilligt, aber den Grundsatz der Patronats-
fähigkeit der juristischen Person im allgemeinen nicht gekannt habe.
M. E. ist dieser Satz vom Verfasser nicht bewiesen worden. Mir scheint
die Sache vielmehr so zu liegen. Wir haben oben festgestellt, daß
man schon im Mittelalter juristischen Personen als solchen den Patronat
zusprach; man sah daher jedenfalls von dem Erfordernis, das man beim
Patronat einer Einzelperson aufstellte, der Kirchenmitgliedschaft, in
bezug auf die universitas ipsa ab. Zweifelhaft kann sein, ob nach
mittelalterlicher Auffassung das Erfordernis der Kirchenmitgliedschaft
aber auf die singuli bezogen werden mußte. Praktisch konnte, da
überhaupt im weltlich-kirchlichen Recht nur Verbandspersonen von
rechtgläubigen Christen voll anerkannt wurden, die Frage keine nennens-
werte Rolle spielen. Sicher ist, daß man in späterer Zeit, um so mehr
als man immer schärfer das einheitliche Moment bei der juristischen
Person betonte, von der Kirchenmitgliedschaft der singuli absah. Den
deutlichsten Ausdruck findet dies in moderner Zeit in der Anerkennung
der Patronatsfähigkeit von Aktiengesellschaften, aber es zeigt sich
praktisch auch in der Anerkennung staatlicher oder gemeind-
licher Patronate. Es läßt sich dies in den Satz fassen: Die
juristische Person erschien patronatsfähig ohne Rücksicht auf die
Kirchenmitgliedschaft ihrer Glieder. Oder kurz ausgedrückt: Die
juristische Person als solche ist patronatsfahig. Dies schließt natür-
lich nicht aus, daß es Ausnahmen gibt und daß in anderer Be-
ziehung die Kirchenmitgliedschaft der Glieder Bedeutung haben kann
(z. B. bei der Ausübung des Patronats). Hiermit ist aber zugleich auch

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