Full text: Volume (3 (1913))

Literatur.

595

aufgekommen, welche den Satz aufstellte, daß die Gemeinden das Prä-
sentationsrecht an ihren Pfarrkirchen präskribiert haben könnten, und
cap. 24 X, 16 vom Ersitzungsbesitz des Präsentationsrechts handle.
Hiermit sei der Grundgedanke für die Eingliederung der Gemeinde-
rechte ins Patronatrechtssystem gefunden worden.
In bezug auf die Wissenschaft des 14. Jahrhunderts bemerkt der
Verfasser, daß sie sich zu den wirklichen Patronaten juristischer
Personen ebenso wie früher stellte, so auch bei den jetzt zum ersten-
mal begegnenden Patronaten von Beginenkongregationen und univer-
sitates scholarium. Dagegen könne in bezug auf nichtpatronatische
Gemeinderechte von einer Entwicklung gesprochen werden, hier komme
jetzt der Kampf zur vollen Entfaltung. Während die Möglichkeit der
Ersitzung von Präsentationsrechten der Gemeinde von Archidiakonus
(Guido de Baysio) geleugnet werde, sei sie von Johannes Andreae in
seinen Quästiones Merkuriales in epochemachender Weise vertreten
worden. Die auf Johannes Andreae folgenden Kanonisten des 14. Jahr-
hunderts hätten z. T. seine Lehre nur insofern erweitert, als nunmehr
auch die Präskriptionsfrage in bezug auf das ganze Patronatrecht er-
örtert und die Natur des von der Gemeinde ersessenen Präsentation ■
rechts im Verhältnis zum Patronatsrecht ergründet werde (wegen ihrer
Verschiedenheit Anwendung der päpstlichen provisio extraordinaria
bei den Benefizien, an denen die Gemeinde ein Präsentationsrecht prä-
skribiert habe). Die Bedeutung des Johannes Andreae wird von dem
Verfasser noch in einer anderen Beziehung gefeiert. Seine Werke
gäben den ersten Einblick in die damals herrschende Auffassung von
den Patronatrechten der „universitates“. Man habe sie als Rechte
mehrerer physischer Personen, die ihrerseits eine universitas bilden
(„singuli ut corpus“), aufgefaßt. Besonders bezeichnend sei in dieser
Hinsicht auch eine Entscheidung der Rota über das Patronatrecht von
Beginenkongregationen. Es wird als geistliches Patronat anerkannt,
weil die Beginen an sich zwar Laien seien, aber infolge ihres religiösen
Lebens, ihres habitus religiosus, ihrer Teilnahme am privilegium
canonis u. a. ihnen mehr die Eigenschaft von geistlichen Personen zu-
zubilligen sei.
Auch die Wissenschaft des 15. Jahrhunderts stehe hinsichtlich der
Patronatsfähigkeit juristischer Personen auf dem alten Standpunkt;
unter den kirchlichen Gesellschaften treten zum ersten Male auch
Tertiarier und Konfraternitäten sowie die Kongregation der Jesuati im
Besitz von Patronaten auf. Die Frage nach der Berechtigung der nicht-
patronatischen Gemeinderechte werde in eine allgemeine Frage des Patro-
natrechtes übergeleitet und von Felinus Sandeus durch Anerkennung
des Erwerbs von Patronatrechten auf Grund der Immemorialpräskription
beantwortet. Es wird weiter bemerkt, daß die Kanonisten auch dieser
Zeit bei „Anstalten“ und „Stiftungen“ meist den verwaltenden Kleriker
als berechtigt aufführen, bei den „Universitates“ aber die vereinigten
physischen Personen als berechtigt auffassen. Letzteres erhelle ins-
besondere daraus, daß bei der Entscheidung, ob ihr Patronat geistlich
38*

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer