Full text: Volume (3 (1913))

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Literatur.

sprengeln vor der josefinischen Regulierung, aus und knüpft innerhalb
dieser Bezirke an die schon bei der Volkszählung des Jahres 1770
durch die Offiziere geschaffenen Unterabteilungen, die sogenannten
Numerierungsabschnitte an (in geschlossenen Siedlungen die Dörfer,
beim Hofsystem willkürlich zu einer Einheit zusammengefaßte Häuser),
das sind die späteren Steuergemeinden. Da die Kommissäre gemäß
den Vorschriften des Patents vom 2. November 1784 in ihren Auf-
nahmen den Grenzverlauf dieser Steuergemeinden in größerer oder
geringerer Ausführlichkeit notierten, so ergibt sich, wenn man diese
Grenzen in die Spezialkarte einträgt und alle zu einem Bezirk ge-
hörigen Steuergemeinden aneinanderreiht, die Grenze des Bezirks
selbst und somit auch der Pfarre oder der Summe von Pfarren, über
die ein Bezirksbeamter die Aufsicht führte. Auf diese Steuergemeinden
griff man in Steiermark auch bei der Abfassung des stabilen Katasters
zurück, die Kaiser Franz I. im Jahre 1817 angeordnet hatte. Die „Über-
sichtskarte der Steuerbezirke und Katastergemeinden“ von 1826, das
erste Ergebnis der neuerlichen Grundaufnahme, ist mithin für die Her-
stellung der vorjosefinischen Pfarrenkarte des Landes von Wert, wenn
man nur die bis 1826 an diesen Bezirken und Gemeinden vorgenom-
menen Arrondierungen entsprechend berücksichtigt. P. zeigt an mehre-
ren Fällen, daß man zu solchen Änderungen „stets entweder ganze
Pfarren oder doch ganze Gemeinden“ verwendete, mithin im Bereiche
der weltlichen Verwaltung im Gegensätze zu der staatlichen Regelung
„die alte Pfarrgrenze schon der kirchlichen Einteilung des Landes
aus Prinzip nicht verändert wurde“. Daraus erhellt zugleich die Be-
deutung der vorjosefinischen Pfarre für die heutige politische und
gerichtliche Einteilung des Kronlandes Steiermark.
Sache weiterer Forschung ist es zu ermitteln, wie sich diese
Grenzen der vor josefinischen Pfarren, die älter als die Gemeindegrenzen
sind und die wir als scharf gezogene anzunehmen haben (S. 17), im
Laufe der Jahrhunderte gebildet haben. Alles spricht dafür, daß wir
es, wie P. hervorhebt, mit althergebrachten, vielfach auf wohlerworbe-
nen Rechten fußenden Gemarkungen zu tun haben, wobei sich freilich
alte Hauptpfarren ihres zu großen Umfangs wegen öfters geteilt haben,
jedoch nur unter Wahrung der höheren Einheit und ohne ihre Grenzen
untereinander zu ändern. Für diese „Erhaltung der Pfarrgrenzen“ bis
zur durchgreifenden Neugestaltung unter Joseph II. bringt P. im Ex-
kurs I (S. 34—45) interessante Nachweise an den Pfarren von Adriach
und Piber, deren Gemarkungen sich bis in das 11. Jahrhundert er-
mitteln lassen. Er zeigt zugleich, daß „dieser durch Jahrhunderte
zurück zu verfolgende Zusammenhang der Gemarkungen“ ein wertvolles
Mittel bietet, „die Lage von Örtlichkeiten zu bestimmen, deren Namen
sich so geändert haben, daß der ältere im Volke verschwunden ist“,
und belehrt uns auch darüber, daß der Versuch einer „Rekonstruktion
einiger Pfarren“ bei dem Versagen anderer Quellen „sich nur auf die
erste Einteilung der Bezirke stützen konnte“.
Exkurs II (8. 46 — 66) widmet sich eingehend der bisher wenig

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