Full text: Volume (3 (1913))

13.24. von Pastor, Ludwig, Allgemeine Dekrete der Römischen Inquisition aus den Jahren 1552 - 1597

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Literatur.

sätzlich seine Überordnung allenthalben aufrecht, er verfügt den Eintritt
der Professoren in den Kirchenkonvent und nimmt das Recht in An-
spruch, auch über die Lehre zu urteilen. Aber mit diesen Forderungen
bleiben die Ansprüche der Geistlichkeit unvereinbar; sie fordert aus-
schließliche Herrschaft in Religionssachen, und deshalb formelle Tren-
nung von Kirchen- und Schulsachen. Das bedingt ihr aber, da „die
Jugend auch nit weniger als die eitern in die Kirchen gehört“, eine
gewisse Kontrolle über die Schule, die man — verwaltungsgeschichtlich
sehr interessant — nunmehr durch Ämterunion zu erreichen sucht.
Dem Eintritt der Professoren in den Kirchenkonvent wird schärfster
Widerstand entgegengesetzt, vergeblich wird noch 1575 versucht,
Kirchen- und Schulkonvent „aufs neue freundlich zu verschürzen“, es
bleibt bei der Trennung, die Lehrer werden endgültig zu Laien. Der
Rat behält zwar formell das Kirchenregiment in der Hand, aber er
fügt sich tatsächlich der Konfessionalisierung des Kirchen- und Schul-
wesens. Er nimmt kein selbständiges Urteil mehr in Anspruch „in
Sachen, die über unseren Beruf und Verstand“.
Wie man sieht, ist es nichts Neues, was wir hier über den Ein-
fluß aller der gedachten Strömungen auf die Ausgestaltung der Orga-
nisation erfahren, und doch ist es immer wieder lehrreich, wenn uns
dieser Einfluß an einem konkreten Beispiel aus der Geschichte plastisch
vor Augen geführt wird. Wenn wir eine solche Entwicklung im
einzelnen an der Hand von Tatsachen verfolgen, dann werden wir
andererseits auch vor einer Überschätzung solcher Einflüsse bewahrt.
Denn wir beobachten, daß es nicht immer die Macht der Ge-
danken ist, die aus einer im Volk herrschenden Gesamtanschauung
entspringen, sondern öfters nur die Macht bestimmter einzelner Per-
sönlichkeiten, die die Entwicklung maßgebend beeinflussen, und daß
bisweilen lediglich das praktische Bedürfnis, bestimmte Rechtsverhält-
nisse im Einzel fall zu ordnen, zu Regelungen führt, die ihrerseits erst
die Gesamtanschauung beeinflussen. Unter allen diesen Gesichtspunkten
hat auch der Rechtsgeschichtler dem Verfasser für seine Studie zu
danken.
Jena. Joh. Niedner.

Ludwig von Pastor, Allgemeine Dekrete der Römischen
Inquisition aus den Jahren 1555—1597. Nach dem No-
tariatsprotokoll des S. Uffizio zum ersten Male veröffent-
licht. [Sonderabdruck aus Band XXXIII des Historischen
Jahrbuchs]. Freiburg i. B., Herder 1912. 71 S.
Der Verfasser der „Geschichte der Päpste seit dem Ausgange des
Mittelalters“ sah sich bei der Ausarbeitung des fünften Bandes, der
die Regierung Pauls III. (1534—1549) behandelt, vor die Aufgabe ge-

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