Full text: Volume (3 (1913))

566

Literatur.

Wandlung mit seiner Absetzung, wogegen wieder der Papst die er-
zwungene Resignation des Bischofs für ungültig erklärte. Seppelt stellt
in einer instruktiven Einleitung diese der Diözesansynode von 1416
voraufgehenden Dinge klar und bringt im Anhang seines Buches unter
Nr. 3 aus den vatikanischen Registern des genannten Papstes jene Un-
gültigkeitserklärung desselben im Wortlaut. Die Diözesansynode aber
hat nach langem Für und Wider endlich für Eugen IV. und gegen das
Konzil von Basel sich erklärt; das war ohne Zweifel deren Haupt-
ertrag.1)
Dem Synodalprotokoll läßt Seppelt den Wiederabdruck der schon
mehrfach herausgegebenen Synodalstatuten von 1446 folgen unter
Berücksichtigung des ersten Druckes (1475) und von vier Hss. derselben;
die wenig korrekte Ausgabe bei Montbach, Statuta synodalia Wra-
tislav. 1855 ist damit durch eine bessere Neuausgabe ersetzt, nur hätte
allerdings auch der Wortlaut bei Schannat - Hartzheim, Conc.
Germ. V, 288 ff. zur Textvergleichung und -gestaltung herangezogen
werden sollen. Die, wie im Vorwort steht, mit Absicht nur auf das
Notwendigste beschränkten erläuternden Anmerkungen orientieren
bündig und oft sehr gut, fehlen freilich gelegentlich da, wo man sie
zu vermuten berechtigt wäre, wie etwa bei cc. 18 (Bußauflage im alten
Sinn), 45 (Ablaß für Begleitung von Provisoren), 47 (Besegnungen)
49 (Anzeige von Schädigungen kirchlicher Güter und Personen un-
mittelbar bei der bischöflichen Synode). Auch zu der 8. 78 gegebenen
Einteilung der Buße hätte sich vielleicht einiges bemerken lassen, des-
gleichen zur Repristinierung alter Bußkanones S. 83—89. Im übrigen
seien Interessenten gerade auf letztere besonders hingewiesen wie auch
auf andere für eine künftige kirchliche Kulturgeschichte zu sammelnde
Details der Breslauer Diözesanstatuten, so auf das Unterfangen ver-
schiedener Geistlicher aus dem Welt- und Ordensstande, um des lieben
Geldes willen dem gläubigen Volke neue „Wunderbilder“ aufzuzeigen
(c. 55).
Wenn ich mir noch einige wenige Bemerkungen erlauben darf,
so wären es diese: Daß die Statuta ecclesiae antiqua dem für so manches
Unbekannte in Anspruch genommenen Bischof Cäsarius von Arles
(f 542) zugehören (8. 60 Anm.), ist nicht so „sicher“; vgl. z. B. nur den
jüngsten Artikel von G.Morin in der Rev. Bened. 1913, 8. 334—342. —
Wenn aus der steten Wiederkehr der Verbote über unschickliche
Kleidertracht der Geistlichen folgt, daß die betreffenden Diözesan-
bestimmungen „wenig befolgt worden“ seien (S. 591), warum sollte
dann aus der mindestens ebenso steten Wiederholung der Erlasse gegen
den Konkubinat der Geistlichkeit (8. 61 i) nicht der nämliche „be-
stimmte“ Schluß gezogen werden dürfen? Zu Löhr, Methodisch-
kritische Beiträge zur Geschichte der Unsittlichkeit des Klerus 1910,

1) Vgl. dazu auch den oben 8. 555 angeführten Aufsatz von L. Schulte
in der Kirchengeschiclitlichen Festgabe für A. de Waal 8. 450 ff., der sich
bereits auf Seppelts Ausführungen stützen kann. A. W.

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