Full text: Volume (3 (1913))

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Literatur.

pelten Zweck: sie will einmal die veralteten Übersetzungen von
Kannegießer (Leipzig 1845) und Hubatsch (Berlin 1872) durch eine
neue Verdeutschung ersetzen und zugleich durch eine vielseitige Ein-
führung, die die geschichtlichen, staatstheoretischen und literarhisto-
rischen Grundlagen erläutert, die schwierigen Gedankengänge des
Danteschen Traktats dem Verständnis weitester Kreise erschließen.
Nachdem der Verf. in großen Zügen die Beziehungen zwischen Kaiser-
tum und Papsttum und den in ihnen enthaltenen Wandel der Rechts-
auffassungen dargelegt hat, gibt er einen allgemeinen Überblick über
die Staatslehre des Mittelalters, deren Gegensätze, die augustinische und
die aristotelisch-thomistische Rechtstheorie, scharf gegenübergestellt
werden. Ein weiterer Abschnitt behandelt die hervorragendsten Er-
zeugnisse der Publizistik zur Zeit Dantes, die kurialistisehen und päpst-
lichen Streitschriften, zwischen denen Dante eine selbständige, ver-
mittelnde Stellung einnimmt. Wünschenswert wäre es gewesen, wenn
der Verf. die Ausgabe der Determinatio compendiosa von M. Krammer
(Hannover und Leipzig 1909) herangezogen hätte, der als Autor dieser
Schrift Tholomeus von Lucca, nicht, wie Sauter vermutet, Heinrich von
Cremona und zugleich annimmt, daß sich dieser Traktat in erster
Linie gegen Dantes Arbeit richtet. Ein Vergleich der Monarchie mit
den Schriften der kaiserlich gesinnten Publizisten, Engelbert von
Admont und Jordanus von Osnabrück, führt S. zu dem Ergebnis, daß
„sich Dante weder gegen irgendeinen einzelnen Gegner richtet noch
von irgendeiner Vorlage abhängig ist“. Eingehend wird sodann
System und Inhalt der Monarchie gewürdigt, ohne daß es allerdings
dem Verf. gelungen wäre, eine Vertiefung der bisherigen Auffassung
zu erzielen, wie sie jüngst durch Erläuterung der soziologischen Grund-
begriffe Fr. Kern, Humana civilitas (Leipzig 1913) und Zeitschrift für
Soz.- u. Wirtschaftsgesch. XI, 3 S. 289ff. erstrebt hat. Vielleicht hätte
gerade die Eigenart seines kirchenpolitischen Beweises näher charak-
terisiert werden können. In einem letzten Abschnitt nimmt S. schließ-
lich zu der vielumstrittenen Frage der Entstehungszeit des Danteschen
Traktats Stellung. Im Anschluß an die Ausführungen Grauerts, nach
dessen Ansicht die Monarchie zu einer Zeit geschrieben sein muß, als die
päpstliche Bestätigung eines deutschen Königs in Frage stand, von der
Kurie aber unter Hinweis auf ein bevorstehendes Rechts verfahren versagt
wurde, kommt er zu der Vermutung, daß die Schrift Dantes vielleicht
nach dem 31. März 1317, dem Datum einer Bulle Johanns XXII., ent-
standen ist. Wenn S. übrigens meint, daß aus der Stelle Mon. 3, 10
eine Erwähnung der zwiespältigen Wahl von 1314 gefolgert werden
kann, so ist dieser Schluß in keiner Weise zwingend. Die Über-
setzung selbst ist sorgfältig und gewandt und bringt die schwierigen
Begriffe der scholastischen Terminologie zu klarer Anschauung. Zahl-
reiche Anmerkungen erläutern den Text; nur hier und da stören kleine
Versehen, so, wenn die Entstehung der Donatio Constantini auf S. 183
nach Frankreich (!) verlegt wird. Zwei gute Reproduktionen der
Mosaiken im Lateran. Triklinium schmücken das Buch und veran-

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