Full text: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte / Kanonistische Abteilung (3 (1913))

Literatur.

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suchten aus Bologna die Doktorwürde mit nach Hause zu bringen. So
hat es nichts Befremdendes, in der Handschrift auch einigen Repeti-
tiones zu begegnen, die dort von Deutschen zum Zwecke der Erlangung
dieser Würde verfaßt sind und daher den Stand der von ihnen da-
mals durch das Studium in Bologna erlangten juristischen Bildung er-
sichtlich machen.
Entsprechend diesen Bemerkungen beginnt die Handschrift F.l—79
(nach Chiappellis Numerierung Nr. 1—3) mit Sammlungen von Casus
zu den Dekretalen Gregors IX., zum Sextus und zu den Clementinen,
von denen die meisten durch die Siglen Jo., Jo. an. oder Jo. and. als
von Johannes Andrea herrührend bezeichnet sind, was v. Schultes Ver-
mutung (Gesch. d. Quellen u. Lit. d. Canon. R. II, 224 f.), es möge sich
dabei nur um Auszüge aus seinen Schriften handeln, nicht günstig ist.
In den Casus zu den Dekretalen findet sich einmal (F. 2) auch die Sigle
Jo. de luna, und F. 3 b trägt ein Casus die Unterschrift Jo. et gen., wird
also dem Johannes Andrea und dem um 1350 verstorbenen französi-
schen Juristen Gencellinus oder Zenzellinus de Cassanis (Schulte II,
199) zugeschrieben. Den Casus zum Sextus, meist auch mit den Siglen
des Johannes Andrea und des Gencellinus bezeichnet, sind die Addi-
tiones dieses letzten beigefügt. Gleiches gilt von den Casus zu den
Clementinen; doch tragen hier einige der Additiones den Namen oder
die Sigle des französischen Kanonisten „Gwillelmus de monte lauduno“
(t 1343).
F. 79—83 d (Nr. 4, 5) folgt eine anonyme Sammlung von Defini-
tionen juristischer Ausdrücke nach der Ordnung der fünf Bücher der
Dekretalen und ein Verzeichnis der Gründe, die ipso facto die Exkom-
munikation zur Folge haben, ebenfalls von unbekanntem Verfasser.
F. 84 und 85 sind gleich manchen späteren, hier stillschweigend über-
gangenen Blättern unbeschrieben.
F. 86—89 col. 2 (Nr. 6), zweispaltig geschrieben, die bekannte
Lectura super arboribus consanguinitatis et affinitatis des Johannes
Andrea.
F. 89—93d (Nr. 7, 8), ebenfalls zweispaltig, zwei kleine Abhand-
lungen über die Intestaterbfolge, wovon die erste nach den Anfangs-
worten ein von Johannes Andreä verfaßter, bisher unbekannter, Anhang
zu obiger Lectura zu sein scheint, die zweite im Anfang eine große
Ähnlichkeit mit der aus Druckausgaben bekannten verwandten Schrift
des Dinus Mugellanus zeigt.
F. 93b—96 (Nr. 9), zweispaltig, eine Abhandlung über die Wich-
tigkeit der Kenntnis der sacri canones von unbekanntem Verfasser mit
vielen Verweisungen auf das Alte und Neue Testament, auf Aristoteles,
Cicero, Seneca, Origenes, den H. Augustinus und andere Schriften.
F. 96—99 (Nr. 10), zweispaltig, die Summa super quarto libro
Decretalium des Johannes Andreä (hier in den Schlußworten als
«Summa Quarti Jo. An." bezeichnet). Ihr Auftreten neben der Lectura
super arboribus consanguinitatis (oben Nr. 6) an einer späteren Stelle
derselben Handschrift liefert den Beweis für die Richtigkeit der An-

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