Full text: Volume (3 (1913))

Literatur.

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den ins Kloster Eintretenden das Mortuarium erhoben, was die Klöster,
(auch Heisterbach) veranlagte, sich in päpstlichen Schufczbriefen die
freie Aufnahme ihrer Mitglieder gewährleisten zu lassen. — Bei den
Besitzstreitigkeiten, die Heisterbach auszufechten hatte, interessiert
der Widerstreit zwischen der deutschrechtlichen und der kanonisch-
römischen Auffassung von Schenkung und Erbschaft. — Die Verpach-
tungsbedingungen, die von kauen klar und übersichtlich herausgearbeitet
sind, enthalten die Bestimmung, daß die Pächter more bonorum co-
lonorum verfahren sollen, und führen damit unvermerkt von der dili-
gentia boni patrisfamilias zur Sorgfalt eines ordentlichen Kaufmanns
oder ordentlichen Frachtführers des ADHGB. hinüber; die Abgaben,
z. B. Getreide und Wein, waren durchweg in Waren melioris crementi,
nicht bloß mittlerer Art und Güte, zu leisten. Bei böswilliger Zins-
versäumnis fiel das Gut an das Kloster zurück, anfangs ipso facto, seit
Mitte des 14. Jahrhunderts durch richterlichen Zuspruch nach Klage
und Sicherheitsleistung. Auch ließ das Kloster über säumige Zins-
zahler die Exkommunikation verhängen. — Die Übernahme von Pfar-
reien (am frühesten gegen 1228 in Dordrecht durch Schenkung des
Grafen Theoderich von Holland), die den ursprünglichen Prinzipien des
Ordens widersprach, geschah wohl kaum, wie kauen meint, aus dem
Drange der Mönche nach seelsorglicher Wirksamkeit ; sie hatte in erster
Linie einen Vermögenswerten Inhalt.
Allgemeiner interessiert wieder die Geschichte der Abtei im
18. Jahrhundert, die kauen im letzten Abschnitt behandelt. Wie so
manche anderen Klöster kam auch Heisterbach in dieser Zeit aus sich
selbst heraus noch einmal zu einer religiösen Reform, und als Folge
der verbesserten Klosterzucht stellte sich noch eine kurze wirtschaft-
liche Blüte ein, die u. a. auch in den stattlichen Neubauten zum Aus-
druck gelangte. Aber demungeachtet fand das Aufhebungsdekret der
Regierung bei den Konventualen keinen Widerspruch, die Mönche
nahmen es mit Befriedigung auf und zogen sich im Genüsse ihrer
Pension in die Welt zurück; von der ihnen gebotenen Möglichkeit,
das gemeinsame Leben fortzusetzen, hat keiner Gebrauch gemacht, eine
Erscheinung, die damals oft zu beobachten war. So ist Heisterbach
gleich den anderen großen Abteien sang- und klanglos untergegangen.
Die wirtschaftliche Entwicklung Heisterbachs weicht (zu diesem
Ergebnis kommt auch kauen) im ganzen kaum von dem allgemeinen
Typus ab. Insofern bringt Pauens Arbeit wenig Neues. Ihr Wert
liegt in der Sammlung und Sichtung des Materials, wodurch der
Forschung die Möglichkeit einer vergleichenden Darstellung geboten
wird.1)
Bonn. H. Nottarp.
*) Die Schriften von F. Mahner, Beiträge zur Wirtschaftsgeschichte
des Zisterzienserklosters Grüssau in Schlesien (Hildesheim 1913) und von
A. Schaake, Die Verfassung und Verwaltung der Zisterzienserinnenabtei
Burtscheid von ihrer Entstehung bis um die Mitte des 14. Jahrhunderte
(Aachen, Creutzer 1913) sind der Redaktion nicht zugänglich gewesen. —

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