Full text: Volume (3 (1913))

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Literatur.

Erzbischof Philipp von Heinsberg auf dem Petersberg im Siebengebirge
errichtet worden war, aber schon bald an den Fuß des Berges verlegt
wurde, mit einem durch die Reformideen seines Ordens begründeten
festumschriebenen Wirtschaftsprogramm ins Leben. Loslösung von
aller Welt, darum ausschließlicher Eigenbetrieb und Verzicht auf mühe-
lose Einkünfte aus der Arbeit anderer, darum aber auch das Verlangen
nach absoluter Freiheit von Vogtei und weltlichem Gericht, Verweige-
rung aller Zehnten und aller Abgaben an die weltliche Gewalt, das
waren die leitenden Grundsätze, die es einer kulturell entwickelten
und auf ganz andere wirtschaftliche und politische Bedingungen ge-
stellten Umwelt gegenüber durchsetzen wollte. Es liegt auf der Hand,
daß dies auf die Dauer ein vergebliches Bemühen war, und gleich den
anderen Klöstern seines Ordens hat Heisterbach schon bald vor den
Forderungen der Wirklichkeit seine Ideale fahren lassen müssen. Im
zweiten Jahrhundert seines Bestehens wird es zu einer renten-
empfangenden Grundherrschaft, die es bis zu seiner Aufhebung im
Jahre 1803 geblieben ist; wo die Bedingungen dazu günstig waren
(in Flerzheim-Neukirchen) hat es auch eine auf Gerichtshoheit und
Vogtei beruhende Landesherrschaft erworben und bis zuletzt behauptet.
Pauen schildert, im einzelnen oft breit und manchmal ein wenig
apologetenhaft-doktrinär, die Entstehung und Entwicklung des Grund-
besitzes, seine Lage und seine Verwaltung, beschränkt sich bei seiner
Untersuchung aber auf das veröffentlichte Material. Auch ist die
ganze Arbeit mehr statistisch als historisch-deskriptiv angelegt, wo-
durch einige Wiederholungen nötig wurden. Da das Buch in erster
Linie einen Beitrag zur Wirtschaftsgeschichte darstellt, erübrigt sich
an dieser Stelle ein näheres Eingehen auf seinen Inhalt; nur auf ein-
zelne rechtsgeschichtliche Ergebnisse soll hingewiesen werden.
Im Anschluß an Schreibers „Kurie und Kloster* vertritt Pauen mit
Grund die Auffassung, daß das Verlangen auf Vogtfreiheit eine not-
wendige Folge der religiösen Reform der Zisterzienser war und nur
dem Zwecke der völligen Loslösung von der Welt diente; eine der
päpstlichen Schutzbullen hat dementsprechend die Begründung, „ut
divinis officiis liberius vacare possitis*. Daß diese Forderung sich nicht
restlos hat durchführen lassen, ist bekannt. Aber auch, daß die Zisterzi-
enser ihre anfangs so bewunderte Eigenart auch in der inneren Ver-
fassung schon bald verloren und wie die älteren Benediktinerabteien
eine immer mehr stiftisehe Organisation angenommen haben, zeigt die
Geschichte Heisterbachs: neben den dem ganzen Kloster zugutekom-
menden Pitanzen begegnen schon früh Schenkungen oder andere Zu-
wendungen an einzelne Mönche; dann werden einzelne Präbenden do-
tiert (für Heisterbach selbst nicht bezeugt, aber in seinem Tochter-
kloster Marienstatt und anderswo nachzuweisen), bis schließlich das
ganze Vermögen in einzelne Pfründen aufgeteilt und die Trennung
von Abts- und Konventsgut vorgenommen wird. — Wie sehr die An-
schauung vom Klostertod im 12. und 13. Jahrhundert bis in ihre letzten
Konsequenzen durchgeführt wurde, erhellt daraus, daß die Pfarrer von

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