Full text: Volume (3 (1913))

Literatur.

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Marculfschen Formeln; hinsichtlich der Bezeichnung der Person nimmt
W. ein Übnrwiogen der Wahl mit nachfolgender Bestätigung gegen-
über der königlichen Ernennung an. Die Haltung Ludwigs des Frommen
war widerspruchsvoll: indem Kapitular von 818/19 garantierte er allen
Kirchen vorbehaltlos die freie Wahl, trotzdem nahm er auch fernerhin
das Recht eigenmächtiger Ernennung in Anspruch und nicht ganz
zehn Jahre später ging er noch weiter und suchte die Vornahme der
Wahl im einzelnen Falle von der königlichen Erlaubnis abhängig zu
machen (Autorisationsrecht, vgl. MG. Formulae 549). Die Rede des
Wala von Corbie gegen dieses Vorgehen des Kaisers hat W. nicht ganz
richtig beurteilt: nach seiner Ansicht wendet sich Wala nicht gegen
das königliche Einsetzungsrecht und doch sagt Wala ausdrücklich,
daß der Kaiser nichts zu übertragen habe, weder die Temporalien
noch die Spiritualien (MG. SS. II, 548); er verwirft auch ein königliches
Ernennungsrecht und läßt dem Kaiser nur eine Kontrolle der Wahl,
damit die Erhebung eines Unwürdigen verhindert wird. Ebenso ver-
wirft Florus von Lyon in seinem Liber de electionibus das königliche
Einsetzungs- und das Ernennungsrecht und läßt ihm nur das Recht
der Bestätigung, die aber in der Hegel erteilt werden muß, also nur
formelle Bedeutung hat. Wala ist sich über die Unterscheidung der
einzelnen Akte ganz klar; bei Florus tritt sie weniger scharf hervor,
er läßt aber doch keinen Zweifel über das, was er will.
Nach dem Tode Ludwigs des Frommen und der Teilung des
Reiches ging die Entwicklung im Westreich und Lothringen einerseits
und im Ostreich anderseits auseinander. In den erstgenannten Heichen
haben die Bischöfe auf den Synoden zu Juditz bei Diedenhofen (844)
und zu Meaux (845) den Herrschern das Recht zugesprochen, für die
erledigten Bistümer die geeigneten Personen zu designieren. W. erblickt
darin einen wenn auch nur vorübergehenden Verzieht auf das Wahl-
recht; enthält aber nicht das regulariter designatum der Synode
von Meaux einen allerdings bescheidenen Vorbehalt der Wahl, so daß
die „Designationdurch den König auf eine Bestätigung der Wahl
hinausläuft? Nach der Synode von Valence (855 c. 7) soll bei Erledi-
gung eines Bistums vom König die Erlaubnis zur Vornahme einer
kanonischen Wahl erbeten werden und der Gewählte das Bistum er-
halten ; kommt dagegen aus der Umgebung des Königs ein Kleriker,
dem das Bistum übertragen werden soll, so ist er vom Metropoliten
und den Bischöfen der Kirchenprovinz zu prüfen und, falls er un-
geeignet erscheint, sollen sich Metropolit, Klerus und Volk an der;
Kaiser wenden, „ut ecclesiam Dei . . digno honoret ministro“. Damit
ist das königliche Autorisationsrecht ausdrücklich anerkannt mit
der Wirkung, daß bei Verweigerung der Wahl der Kaiser einen Kleriker
aus seiner Umgebung ernennen kann. Denn der zweite Teil des Kanon
ist mit Imbart de la Tour von einem Ernennungsrecht des Königs zu
verstehen, das allerdings dadurch eingeschränkt sein soll, daß der
König für einen Ungeeigneten auf Bitten der Beteiligten einen andern
ernennen soll. Ein derartiges Autorisationsrecht, nach dem es im Be-

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