Full text: Volume (3 (1913))

Bußbücherstudien.

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"Wie diese aus Tours stammende jüngere Handschrift weist
mit unserem Manuskript viel Verwandtschaft im Schriftcha-
rakter auch eines der ältesten Manuskripte Teurer Provenienz
auf, nämlich 6. der vielumstrittene Kodex der Kölner Dom-
bibliothek CVI, nach Menzel und Dümmler1) wahrscheinlich
794/819, nach anderer Ansicht 802/4 geschrieben, abgebildet
in Arndt-Tangl, Schrifttafeln T. 44—47. Besonders T. 46
zeigt viel Ähnlichkeit. Noch mehr ist dies der Pall 7. bei
dem ebenfalls 794/819 angesetzten Kodex derselben Biblio-
thek LXXXXII, bei Arndt-Tangl T. 48?) 8. Auch die aus
Tours stammende, in der ersten Hälfte des 9. Jahrhunderts
geschriebene Gregor-Handschrift des Gymnasiums von Quedlin-
burg, von welcher Delisle3) ein Faksimile gibt, weist, allerdings
in viel schöneren Zügen, denselben Schriftcharakter auf wie
unser Manuskript. Weiter kann ich 9. noch auf die von
Chroust4) abgedruckten, sehr schriftähnlichen Faksimiles hin-
weisen: Lieferung II T. 5 (Schule von Corbie ca. 870), Lief. V
T. 5 (Ms. Bedae, wahrscheinlich aus Nordfrankreich stammend,
ungefähr 800 geschrieben), Lief. XIV T. 7, 8, Lief. XV T. 1,
4 (St. Gallener Schreibschule, geschrieben in der Zeit zwischen
841 und 883), Lief. XVII T. 8 (aus der Schreibschule von
Fulda, geschrieben nach 840), Lief. XVIII T. 4, 8 (aus der
Schule von Tours, erstere 804, letztere nach 843 geschrie-

*) Menzel a. a. O. S. 5 Anm. 3, Dümmler, Mon. Germ. Ep. IV, 417
Nr. 259 Anm. 1, über den Stand der Streitfrage und weitere Literatur
Tan gl in Arnd t-Tangl4 Schrifttafeln 2. H. S. 29 Text zu Tafel 44—47. —
2) Vgl. den Text bei Arndt-Tangl 1. c. 8. 30. Besonders die Ähn-
lichkeit der Ligaturen st und sc, sowie die Verwendung der ver-
schiedenen a-Formen (vgl. Coi. I Z. 26, 27) mit der Schriftart unseres
Ms. fällt auf. — 3) Delisle, Ecole calligraphique de Tours p. 38, 48
T. II—IV, vgl. auch Arndt-Tangl a. O. 8. 25 und T. 34b. — 4) Monu-
menta Palaeographica, Denkmäler der Schreibkunst des Mittelalters
1900 f. Die sonst von ihm aus der ersten Hälfte des 9. Jahrhunderts
gebrachten Faksimiles nordfränkischer Manuskripte zeigen wenig Ähn-
lichkeit mit unserer Handschrift (Lief. XI, 10, XVIII, 6), auch nicht
die älteren der Schreibschulen von Fulda und Aachen, für erstere mit
Ausnahme der im Text genannten (Lief. V, 6—8, VI, 3, XI, 8,4). Betreffs
der 8t. Gallener Schule vgl. auch das o. 8.415 A. 1, 8.449 Gesagte. Das
in Lief. I, 1, 2 gebrachte Faksimile eines Ms. der Salzburger Schreib-
schule 818 hat ähnlichen Schriftcharakter, der aber die ältere Form
des a schon vermeidet.

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