Full text: Volume (3 (1913))

Bußbücherstudien.

445

Diese Formen erscheinen, wie meist in älteren Manuskripten,
unterschiedslos gebraucht, mit bald mehr, bald weniger
schließendem Bogen, vereinzelt mit Ansatzstrichen. Der
Schaft der unzialen Form, der manchmal stark über die
Mittelzeile ragt (Ms. fol. 22v. Z. 4, 10 auf T. 3), ist oft stark
nach rechts liegend, ebenfalls ein Zeichen älteren Schrift-
gebrauchs gegenüber der gegen Mitte des 9. Jahrhunderts
auf kommenden steileren Form.
Sehr gleichmäßig ist e geschrieben, meist mit einer
Schlinge, die noch die eckige Gestalt der aus drei Strichen
bestehenden älteren Form verrät und nicht über die obere
Mittellinie reicht. Die Zunge, oft mit dem nächsten Buch-
staben verbunden, erfährt mehrfach eine auffällige Ergänzung
(e) durch eine über der Mittellinie ansetzende Fahne, die
als Yerbindungsstrich zu dienen scheint (Ms. fol. 18 v. Z. 3
v. u., 20 i. f.), sich nur in wenigen Handschriften findet1)
und zweifellos auch eine archaisierende Form ist, die viel-
leicht aus der merowingischcn Kursive stammt. Sie ist im
Ms. fol. 18v., fol. 22, 22v. besonders häufig, auf manchen
Seiten gar nicht gebraucht.
Buchstabe i ist meist klein und kursiv geschrieben, aber
auch die ältere lange und gerade Form findet sich öfters am
Anfänge der Zeile oder der Worte, manchmal (fol. 20 v. Z. 1
y. u.) als Korrektur inmitten eines Wortes in der typischen,
über die Mittelzeile ragenden Majuskelunziale gebraucht.2)
Auch der Yokal u erscheint durchaus in der runden

*) Nur in einem einzigen, mir von Dr. Helbok zur Verfügung ge-
stellten Faksimile konnte ich diese auffällige e-Form, auch nur vereinzelt
(Z. 1,4) angewendet, entdecken, nämlich in der vonWart mann, Urkunden-
buch der Abtei St. Gallen I, Nr. 31 gebrachten Urkunde vom 12. Juni
851 (858). Keine der in den Schrifttafeln von Steffens, Chroust
und Arndt-Tangl faksimilierten St. Gallener Urkunden zeigt diese
Eigentümlichkeit. Doch zweifle ich nicht, daß sich andere Beispiele
finden lassen, selbst wenn es sich um die Eigenart eines Schreibers
handeln sollte. Die im 11. Jahrhundert sich findende Fortsetzung des
Mittelstriches (vgl. Steffens T. 59a Z. 2, 3 usf.) hat mit dieser Form
ebensowenig zu tun, wie jene des geschwänzten tz. Vgl. übrigens
Steffens T. 36a Z. 18 desponsata. — 2) Vgl. Steffens p. XIX, T. 36a
Z.23, T.44a Z.7b, Arndt-Tangl T.43aZ. 12, Wattenbach4 S.51. Im
Ms. f. 18 v. Z. 8 etc. (T. 1).

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer