Full text: Volume (3 (1913))

Bußbücherstudien.

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9. Jahrhunderts entstanden sei, ja vielleicht mit einiger
Sicherheit, soweit eine solche bei paläographischer Schrif-
tenbeurteilung überhaupt gefunden werden kann, in die Zeit
zwischen 820 bis 840 datiert werden darf.
Die Halbunziale ist bekanntlich nur eine Übergangs-
schriftform, welche, seit dem 5. Jahrhundert entwickelt, auf
fränkischem Boden Ende des 8. Jahrhunderts die Schriftgene-
ration der karolingischen Zeit vorbereitet und daher von
Wattenbach als vorkarolingische Minuskel bezeichnet wird.1)
Die fränkische Minuskelschrift aber, welche aus den gemisch-
ten Buchstabenformen der Halbunziale entspringend von der
Mitte des 8. Jahrhunderts an unter Vermittlung der mero-
vingischen Schrift sich zu entwickeln beginnt, hat sich in ver-
schiedenen Stufen in charakteristischer Weise fortgebildet
und namentlich in der Form der karolingischen Minuskel
immer mehr zur Geltung gebracht, welche von den Nach-
wirkungen der insularen Schriftart sich allmählich völlig
befreite.2) Innerhalb des 9. Jahrhunderts können, von der
berühmten Klosterschule Alcuins in St. Martin bei Tours
ausgehend, verschiedene Schreibschulen mit besonderen
Schriftmerkmalen und insbesondere im zweiten Viertel des
9. Jahrhunderts wesentliche Umbildungen der karolingischen
Minuskel gegenüber der zu Beginn dieses Zeitabschnitts
herrschenden Schriftart festgestellt werden, welche, wenn
auch nicht immer mit erwünschter Sicherheit, zur näheren
Zeitbestimmung eines Manuskripts aus dieser Periode dienen
können. Für unsere Untersuchung ist es natürlich von
großem Werte, auch auf diese Weise einen Anhaltspunkt
für eine genauere Datierung der Handschrift unseres Buß-
buchs gewinnen zu können, aus welcher dann auf die Ent-
stehungszeit desselben, namentlich wenn es hier nur in Ab-
schrift vorliegen sollte, geschlossen werden darf. Da
außerdem aus der verwendeten Schriftart mit einiger
Sicherheit auch auf das Entstehungsgebiet des Manuskripts
Folgerungen gezogen werden können, so kann ich es wohl
*) Vgl. etwa Wattenbach, Anleitung* S. 27, 35, Bretholz a.O.
S. 40, 57,82, Steffens a.O. p.VII, Paoli-Lohmeyer, Grundriß lat.
Paläogr. 1902 8.22. — a) Paoli-Lohm eyer 8. 37f., Bretholz S.81f.,
Steffens p. XVII.

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