Full text: Volume (3 (1913))

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Godehard Jos. Ebers,

einzelnen darzustellen1); es muß an dieser Stelle der kurze
Hinweis genügen, daß wiederum von beiden Seiten in um-
fangreichen Denkschriften im allgemeinen, insbesondere seitens
des Kapitels, dieselben Gründe ins Feld geführt wurden wie
in den Jahren 1614/15.
Der Streit, in welchem sich der Kurfürst auf die Seite
des Generalvikars gestellt hatte und zu energischem Vorgehen
gegen das Kapitel bereit war2), scheint durch einen Vergleich
beigelegt worden zu sein, der den Begriff „diligentiam demon-
strare“ des Rezesses von 1615 dahin interpretierte, daß der
Generalvikar auf Grund der Visitation erst dann einschreiten
dürfe, wenn der Archidiakon auf die Anzeige eines Vergehens
trotz zweimaliger Mahnung nicht wirklich „Exekution und Re-
medierung“ erfolgen lasse. Ein urkundlicher Beleg für einen
solchen Vergleich liegt allerdings nicht vor; doch läßt die Er-
gänzung, welche schon die nächste "Wahlkapitulation und dann
die folgenden gefunden haben, auf einen solchen schließen.3)
Trotzdem wurden die Verhältnisse immer unerträglicher.4)
Das Kapitel erklärte den Generalvikar als Friedensstörer.
Dieser schob alle Schuld auf die Archidiakone. Schließlich
J) Reiches Material in St. A. L. und Domkap. Prot, und besonders
D. A. 48 und 1626. Vgl. vorläufig Schafmeister a. a. 0. S. 67ff., 118ff.—
4) Das Konzept eines in scharfen Worten abgefaßten Schreibens an das
Domkapitel, in welchem sich der Kurfürst völlig auf die Seite des
Generalvikars stellt, trägt den bezeichnenden Dorsal-Vermerk Ast ver-
ändert" (D. A. 1626 ohne Datum, aus August-September 1626). — 3) In der
Wahlkapitulation von Christoph Bemard vom 18. September 1652 (St. A.
Erst. M. n. 4493 Orig.) sind die Art. 20 und 21 fast gleichlautend mit
den Art. 25 und 26 der Wahlkapitulation Ferdinands (s. 8. 386 Anm. 5),
beide mit dem Zusatz, der Generalvikar habe sich an den Rezeß von
1615 zu halten. Art. 26 hat außerdem noch folgende Erweiterung:
„Dem Vikar soll es nicht benommen sein, wenn er tempore visitationis
und sonst auf Begebenheit und auf Reisen einigen Unfleiß und sonst
schädliche Ärgernisse finden sollte, solche den Archidiaconis zur Be-
strafung zu melden, welche alsbald zu strafen gehalten sein sollen;
wenn aber die wirkliche Execution und Remedirung nicht erfolgen
sollte, soll Uns (dem Bischof) oder ihm (dem Generalvikar) in Unserm
Namen post binam monitionem kraft des Vergleichs die Hand anlegen
und zu verfahren zugelassen sein." — In dieser Form sind die Artikel .
dann in die späteren W. K. übergegangen. Vgl. z. B. Ferdinand II. 1679
Art. 35, 36, 39, 40, Max Friedrich 1763 Art. 78, 79 (St. A. Erst. M.
n. 4700, 5032). — 4) Vgl. zum Folgenden Schafmeister 8. 120ff.

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