Full text: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte / Kanonistische Abteilung (3 (1913))

Die Archidiakonal-Streitigkeiten in Münster. 393
angeblichen Unkosten möge man ihm nachweisen. Die per-
sönlichen Anschuldigungen gegen den Generalvikar seien un-
begründet; er habe bisher nur gutes über seinen Handel und
Wandel gehört. Was endlich die Klagen des Clerus secun-
darius anlange, so vernehme er sie „mit fast nicht geringer
Beschwernis“. Er könne das Vorgehen des Vikars, weil im
Recht, im Tridentinum und in den Statuten begründet, nur
völlig billigen. Das Kapitel hätte besser getan, dieses un-
gebührliche Anbringen nicht anzunehmen und selbst den
Clerus an seine Pflicht zu erinnern.
Schon ehe der Kurfürst diese Resolution dem Kapitel
zugehen ließ, hatte er seinen Geheimen Rat, den Dompropst
von Hildesheim Arnold von Bucholtz, nach Münster gesandt,
um dem Kapitel sein Mißfallen über die Beschwerde der
Archidiakone auszusprechen1), vor allem aber um zwischen
ihnen und dem Generalvikar zu vermitteln. Und dies nicht
ohne Erfolg. Am 30. Juni 1614 kam es zu einem Vergleich
über den für die Archidiakone wichtigsten Punkt: die Frage
der Prävention und Konkurrenz.2) Danach werden die „Ex-
cessus Archidiaconales“ den Archidiakonen auch weiterhin
Vorbehalten. Der Gencralvikar soll die Schuldigen erst dann
selbst strafen, wenn der Archidiakon spätestens auf dem dem
Delikte folgenden Send von seiner Strafgerichtsbarkeit keinen
Gebrauch gemacht hat. Handelt es sich um schwerere Ver-
gehen, die keinen Aufschub dulden, so kann der Vikar ein-
greifen, sobald der zuständige Archidiakon auf einmalige
Mahnung hin, seine Pflicht zu erfüllen, nicht eine gebührende
Strafe verhängt. Damit war die ausschließliche Gerichtsbar-
keit der Archidiakone anerkannt, der Generalvikar wie bisher
auf ein Supplierungsrecht beschränkt.
*) Vgl. Keller n. 366 Anm. 1. — 2) „Vicarius non apponet manum
ad Parochiales Ecclesiarum infra terminum Synodorum et nisi synodo
celebrata non appareat delictum ad Archidiaconum non fuisse delatum.
Quod si tantum oriatur scandalum, ut moram correctionis non ferat, Vica-
rius prius monebit Archidiaconum, qui si non processerit et correctionem
dignam distulerit, tunc Vicarius procedit“ (St. A. Domkap. Prot. 1614/16,
30. Juni 1614. Orig. Abschriften St. A. D. und Direkt. Arch. Jur. 8.62). —
Gleichzeitig wird eine Ladungsformel gegen diejenigen Ortsgeistlichen
beschlossen, welche sich weigern, die Strafmandate der Archidiakone
auszuführen (angeführtes Kapitels-Protokoll; auch bei Keller n. 382).

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