Full text: Volume (3 (1913))

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Godehard Jos. Ebers,

hältnisse in Beratung zu treten1), sind die folgenden Jahre
mit Verhandlungen über diesen Punkt ausgefüllt.2) Wie bis-
her sahen die Domherren das Heil weniger in der Reform
des Klerus und der Hebung der sittlichen Mängel als in der
Durchführung der Archidiakonal-Gerichtsbarkeit3), die ihnen
die Beseitigung der Neuerungen und die Zurückführung
der verlorenen Seelen zu garantieren schien. Vergeblich
bemühten sie sich aber, die Statthalter hierfür zu gewinnen.
Diese beschränkten sich darauf, die Archidiakone ihres Amtes
zu mahnen.4) Dagegen waren sie trotz aller Bitten des
Kapitels nicht gewillt, die Schwierigkeiten zu beseitigen,
welche der Durchführung der Archidiakonal-Jurisdiktion trotz
des Rezesses von 1576 sowohl von manchen Beamten als
insbesondere seitens des Adels gemacht wurden5); offenbar
standen sie unter des letzteren Einfluß6) und waren teilweise
wohl auch zu wirksamer Abhilfe gar nicht in der Lage.7) Und
selbst, als sich der Kurfürst für ein energisches Vorgehen
ausgesprochen hatte8), erklärten sie sich zwar bereit, nach
Eingang der vom Kurfürsten befohlenen Berichte9) mit jedem
einzelnen der Archidiakone zu beraten, in welcher Weise der
weltliche Arm zur Abstellung der Mißbräuche mitwirken solle10),
suchten aber die Sache zu verschleppen, indem sie die Be-
ratung von dem Einlaufen aller Berichte abhängig machen
wollten.11) Tatsächlich gingen die Berichte der Archidiakone12)
trotz aller Mahnung nur spärlich ein. Infolgedessen war man
im Jahre 1596 noch auf demselben Fleck wie früher.13) Am
J) Keller II n. 274. — 2) Vgl. ebd. 8. 272. — *) Daher die immer
wiederholte Mahnung, daß „die Archidiaconi schuldig, ihren Fleiß zu
tun“. Vgl. ebd. n. 274 und Anm. — 4) Ebd. n. 275 und 279. — °) Ebd.
n. 289 und 290. — ®) Vgl. ebd. S. 280f. — 7) Röeliel berichtet in
seiner Chronik (angeführte Geschichtsquellen 111, 8. 138), daß in
dieser Zeit die geistliche Jurisdiktion stillgelegen sei; denn man hätte
nirgends Mandate schicken dürfen, weil sie von der Bevölkerung zer-
rissen oder verbrannt worden wären. — 8) Vgl. Keller n. 278—281,
insbesondere 281 a. E. — 9) Ebd. n. 280 a. E. — l0) Ebd. n. 292. —
") Ebd. n. 298. Vgl. auch die Mahnungen des Kapitels in Nr. 295
und 296 und die Antwort der 8tatthalter: Sie seien mit vielen anderen
Geschäften überladen, man müsse daher das Ansinnen des Kapitels
einstweilen ablehnen (n. 297). — 12) Sie stützten sich nicht auf per-
sönliche Visitation, sondern auf schriftliche Angaben der Pastoren.
Vgl. ebd. n. 287, 288, 294. — ") Ebd. n. 2:19.

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