Full text: Volume (3 (1913))

Die Archidiakonal-Streitigkeiten in Münster.

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die Städte waren jedoch durchaus nicht geneigt, sich ohne
weiteres zu beugen. In der Tat hören wir in den nächsten
Jahren immer wieder die Bitte des Kapitels, die Regierung
möge, wie für die Durchführung der Visitation, so für die
Anwendung und bessere Handhabung der Sendgerichtsbarkeit
Sorge tragen. Schon 1582 weist das Kapitel bei Wieder-
aufnahme der Verhandlungen mit der fürstlichen Regierung1)
über die kirchliche Restauration darauf hin, daß die Archi-
diakone wenig Beistand fänden, sobald sie gegen einen
Häretiker vorgingen, daß die Städte und der Adel sich den
Archidiakonen wiedersetzten, einzelne für sich selbst die
Jurisdiktion haben wollten, andere die Wiedertäufer und
sonstigen Sektierer bei sich passieren ließen.2) Dies hatte
aber ebenso wenig Erfolg wie die Verhandlungen unmittelbar
mit dem Administrator3), von dem sich das Kapitel den Vor-
wurf machen lassen mußte, daß die Archidiakone nur um
des eigenen Vorteils willen ihre Strafgerichtsbarkeit ausübten.4)
Das Kapitel suchte sich zwar zu rechtfertigen5), und erbat
die landesfürstliche Hilfe nicht bloß für die Exekution der
Sendurteile, sondern auch für die Geltendmachung der Archi-
diakonal- Jurisdiktion vor allem gegenüber den Städten, welche
sich „in Religions- Glaubens- und Kirchensachen .... die
Cognition selbst zueignen“; der Herzog ging aber auf den
Punkt nicht mehr ein.6)
Noch weniger Förderung seiner Pläne fand das Kapitel
bei den Statthaltern, die seit dem Mai 1585 die Regierung
für den erwählten Bischof Ernst von Bayern, Kurfürsten von
Köln (1585—1612), führten.7) Zunächst nahmen allerdings die
politischen Verhältnisse das Kapitel voll und ganz in Anspruch.
Nachdem es dann aber am 7. November 1589 beschlossen hatte,
mit den Statthaltern über die Besserung der religiösen Ver-

x) I. J. 1580 hatte der Herzog Johann Wilhelm von Cleve die
Administration des Stiftes angetreten. — 2) Keller n. 508—510. —
8) Ebd. n. 511—515. — *) Ebd. n. 512. — ®) Ebd. n. 513: Das Kapitel
müsse dem Fürsten zu Gemüte führen, daß ein Teil seiner Mitglieder
jetzt jährlich mehr an Unkosten zur Erhaltung der Archidiakonal-
Jurisdiktion, Coercion, Recht und Gerechtigkeit aufwende, als sie da*
her genießen könnten. Vgl. auch ebd. S. 339. — •) Vgl. ebd. n, 514
und 8. 340. — 7) Vgl. ebd. II 8. 263ft., Schafmeister a. a. 0. 8. 15ft

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