Full text: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte / Kanonistische Abteilung (3 (1913))

Die Archidiakonal-Streitigkeiten in Münster.

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und alle Rechtssachen erster Instanz vor das bischöfliche
Gericht verwies1), ferner die Archidiakone vom disziplinären
Einschreiten gegen die Konkubinen haltenden Geistlichen aus-
drücklich ausschloß2), das Exkommunikationsrecht allein dem
Bischof vorbehielt3), und schließlich den Erwerb der Archi-
diakonatswürde von einem akademischen Grade in der Theo-
logie oder dem kanonischen Rechte abhängig machte.4) Hin-
schius hat freilich nicht verkannt, daß in einzelnen Gegenden
die Archidiakone ihre Rechte auch gegenüber den Konzils-
bestimmungen zu behaupten suchten und sich im Kölnischen
sogar bis zum 18. Jahrhundert eine mit der erzbischöflichen
konkurrierende Jurisdiktion zu erhalten vermochten. Aber
er sah hierin doch nur Trümmer der einstigen Bedeutung.
Neuere Forschungen haben nun ergeben, daß sich die
angeführten Gründe in vielen Diözesen Deutschlands nach-
weisen lassen5) daß sie aber doch nicht überall und gleich-
zeitig zu demselben Resultat geführt haben. Insbesondere
haben die Archidiakone in der Erzdiözese Köln und in
einzelnen der sächsischen Bistümer bis in die Neuzeit hinein
ihre alte Machtstellung zu wahren, wenn nicht gar, wie z. B.
in Halberstadt, zu mehren gewußt.*’) Ja, in Osnabrück und
Münster, aber auch in Paderborn, vermochten sie ihre Rechte
*) Sess. ead. de ref. c. 20 (a. a. O. 8. 388): Causae omnes ad forum
ecclesiasticum quomodolibet pertinentes, etiamsi beneficiales sint, in
prima instantia coram ordinariis locorum duntaxat cognoscantur. —
-) Sess. XXV de ref. c. 14 (a. a. 0. S. 461): . . . cognitio (concubinatus) non
ad archidiaconos.sed ad episcopos ipsos pertineat, qui sine strepitu
et figura iudicii et sola facti veritate inspecta procedere possint. —
s) Sess. ead. de ref. c. 3 (a. a. 0. 8. 439). — 4) Sess. XXIV de ref. c. 12
(a. a. 0. 8. 348). — 5) Siehe statt Anderer Eugen Baumgartner, Ge-
schichte und Recht des Archidiakonats der oberrheinischen Bistümer
mit Ausschluß von Mainz und Würzburg (Kirchenrechtliche Abhand-
lungen, herausgegeben von Ulrich Stutz, H. 39), Stuttgart 1907,
8. 28 ff., 60ff., 78ff., 88ff, 120 ff, 216ff. - •) Vgl. für Köln, wo die
Reformsynoden des 16. Jahrhunderts und zuletzt noch die Synode von
1662 den Archidiakonen ihre wesentlichen hechte beließen, Joseph
Böhr, Die Verwaltung des Kölnischen Großarchidiakonates Xanten
am Ausgange des Mittelalters (in Stutz, Kirchenrechtliche Abhand-
lungen H. 59,60), Stuttgart 1909, 8. 54ff., für Utrecht ebd. 8. 9f. und
öfter, für Halberstadt, Osnabrück und Münster Nikolaus Hilling,
Die Halberstädter Archidiakonate, Bingen 1902, 8. 81 ff., 140 ff. und die
dort verzeichneten Quellen und Druckschriften, für Brandenburg Fritz

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