Full text: Volume (3 (1913))

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Erwin Jacobi,

Über die eigentliche Prozeßeinleitung begegnet eine
zusammenhängende Ausführung bei Gratian1) so wenig wie
in der anschließenden Literatur, doch gibt die Erörterung
zahlreicher Einzelpunkte, wie der Ladung, der Fristen, der
Form der accusatio, hinreichenden Stoff, um ein Bild vom
Prozeßbeginn zu gewinnen.
A. Das Dekret.
I. Die fünfte Causa Gratians knüpft an den Fall, daß
der angeklagte Bischof nur einmal schriftlich zum Erscheinen
vor Gericht aufgefordert wird, die Frage
. . . quotiens sit vocandus ad causam ante, quam senten-
tiam dampnationis excipiat?
Die in doppelter Form erteilte Antwort:
Vocatio autem eius, qui in petitur, non semel, sed bis et
tertio per congruum spatium rationabilibus scriptis fieri
debet2).
Canonica . . . vocatio est, quando servato dierum inter-
stitio . . . causae suae literis adesse iubetur, quibus quid
ei obiciatur . . . significari oportet3),
läßt im Verein mit den pseudoisidorischen Belegstellen er-
kennen, daß die Ladung dreimal schriftlich durch den
Richter4) unter Mitteilung des Inhalts der erhobenen Be-
schuldigung zu erfolgen hat. Für die Zahl der Ladungen
kommt außerdem ein in anderem Zusammenhang aufge-
nommenes Kapitel llinkmars von Reims in Betracht, das in
noch deutlicherem Anschluß an den römischen Kognitions-
prozeß5) Ladung
... tribus edictis ... aut uno pro omnibus peremptorio . . .°)
vorschreibt.
der Geschichte des Inquisitions-Prozesses, Leipzig 1827, S. 17 Anm. 4 und
nach ihm Molitor S. 88 vermuten, daß sich hier im Sinne der pseudo-
isidorischen Fälscher und Gratians eine Rechtsgewohnheit erst
habe bilden sollen.
J) Einen Ansatz macht der pseudoisidorische c 3 CII q 8. —
a) C V q 2 pr. — 3) dict. Gr. p. c 4 C V q 2. — 4) Daß es sich nur
um richterliche Ladung handeln kann, ergeben die Belege, vgl. z. B.
c 4 C V q 2, c 1 C IY q 5. — ®) Vgl. v. Bethmann-Holl weg a. a. 0.
III 8. 303. — #) § 1 c 6 C XXIV q 3. Hinkmar zitiert dabei als

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