Full text: Volume (3 (1913))

226

Erwin Jacobi,

Eine solche schon an sich unwahrscheinliche Lücke ist
aber im Dekret nicht vorhanden. Mehrere der dem zweiten
Teile des Dekrets zugrunde gelegten Rechtsfälle (Causae) sind
Zivilrechtsstreitigkeiten1), und im Dekret sowohl als nament-
i lieh ganz regelmäßig bei den Dekretisten wird der criminalis
i causa die civilis causa gegenübergestellt.2) Freilich finden
sich nirgends Ausführungen, aus denen auf ein neben dem
Akkusationsprozeseß bestehendes besonderes Zivilprozeß-
system geschlossen werden könnte. Nur ein Prozeßsystem,
das des Akkusationsprozesses kommt zur Darstellung. Aber
in ihm werden gleichzeitig die Fragen des Zivilprozesses
abgehandelt. Das ist möglich, weil das Dekret und die
Dekretisten die Ausdrücke accusare, accusatus, accusatio
nicht nur in dem römischen, ausschließlich auf Strafsachen
bezüglichen Sinne verstehen, sondern gleichzeitig eine weitere,
Zivil- und Strafsachen umfassende Bedeutung dieser Worte
anerkennen.
Auf diesen Sprachgebrauch deutet schon die Tatsache
hin, daß im Anschluß an eine Causa, in der bei einem Rechts-
streit um Grundstücke ein Kleriker einen anderen vor dem
weltlichen Richter verklagen will, Gratian die Erörterung der
Frage, ob die Ladung vor den weltlichen Richter zulässig
ist, mit den Worten beginnt:
Über kanonisches Gerichtsverfahren gegen Kleriker, Mainz 1856, 8. 72tf.
Nie. München, Das kanonische Gerichtsverfahren nnd Strafrecht I,
Köln und Neuß 1865, 8. 363ff. Hinschius, Kirchenrecht Y
8. 347 f.
*) C XI: Prozeß zwischen zwei Klerikern über Grundstücke, C.XIII:
Prozeß zwischen Klerikern einer Taufkirche und den Parochianen um
das Zehntrecht, C X1Y: Klage der Kleriker einer Kirche um Grund-
stücke, C XYI: Klage zwischen einem Abt und dem Klerus einer Tauf-
kirche um eine Pfarrkirche, C XXV: Prozeß zwischen einem Kloster
und einer Tauf kirche um Zehnte. — 2) Vgl. z. B. § 1 c 30 C II q6 =
D 49, 5, 2, ferner die Einführung in C XIV q 2. Pauca palea 8. 61 zu
c 30 [bei Schulte steht fälschlich 40] 6 II q 6, 8. 83 zu C XIV q 2.
Rolandus S. 18 zu C III q 4, 8. 25 zu G XI q 1. Rufinus 8. 306f.
zu C. XI q 1. Stephanus 8. 201 zu c 1 C IV q 6, 8. 211 zu C XI q 1
[hier scheint im Text Z. 8 zwischen quando und pecuniariter ein non
zu fehlen]. Statt causa civilis wird häufig auch spezieller causa
pecuniaria gesagt: Paucapalea S.611.C. Rolandus S. 25 1. c.
Rufinus 8. 263 zu C III q 2, 8. 306 1. c. Stephanus 8. 211 1. c.

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer