Full text: Volume (3 (1913))

8. Der Prozeß im Decretum Gratiani und bei den ältesten Dekretisten

Erwin Jacobi, Der Prozeß im Decretum Gratiani usw. 22A

V.
im Vvonstum Knatiani und bei den
ältesten Dekretisten.
Von
Herrn Privatdozenten Dr. jur. Erwin. Jacobi
in Leipzig.
§ 1. Einleitung.
Der kanonische Prozeß, früher als originäre Schöpfung-
päpstlicher Gesetzgebung angesehen, ist in Wahrheit aus
dem italienischen Territorialprozeß erwachsen. Das kann
durch die Forschungen der letzten Jahrzehnte als bewiesen
angesehen werden.1) Mit dieser Feststellung treten die bis-
her als Hauptquellen für die allgemeine Prozeßgeschichte
gewerteten Papstdekretalen in ihrer Bedeutung einen Schritt
zurück, wenngleich es zweifellos auch fernerhin wichtig genug
bleibt, ob ein Satz des italienischen Prozeßrechts Aufnahme in
die Papstgesetzgebung und damit Verbreitung in der gesamten
abendländischen Welt gefunden hat oder nicht. Die erste
Stelle als Erkenntnisquellen für die Entstehung des romanisch-
kanonischen Prozesses haben jetzt die Statuten der ober-
italienischen Stadtstaaten und neben ihnen die Schriften der
italienischen Juristen2) zu beanspruchen, ohne Unterschied,
ob es sich dabei um Legisten oder Kanonisten handelt.3)
Als eine solche kanonistische Schrift kommt nun aber
auch das Decretum Gratiani in Betracht, ist dieses Werk
doch nichts anderes als eine wissenschaftliche Abhandlung,
bei der die Belegstellen „aus den Anmerkungen in den Text
*) Vgl. die das Ergebnis zahlreicher Monographien zusammen-
fassende Würdigung bei Richard Schmidt, Lehrbuch des deutschen.
Zivilprozeßrechts2. Leipzig 1906, S. 71 f. — 2) Vgl. Adolf Wach, Der
italienische Arrestprozeß, Leipzig 1868 , 8. 81. Derselbe, Randbuch
des Deutschen Zivilprozeßrechts, Leipzig 1885, 8.1691k. Schmidt
a.a.O. S. 71 f. — ®) So auch Schmidt 8.72.

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