Full text: Volume (3 (1913))

218

Josef Lappe,

schwunden, die an die frühere Kirche erinnerten, weil aber
im Gedächtnisse des Volkes die Erinnerung fortlebte, daß
hier einmal ein Gotteshaus gestanden habe, begann die er-
finderische Phantasie zu spielen und fand die Lösung, daß
die Kirche mitsamt dem Dorfe wegen der Sündhaftigkeit
der Bewohner von der Erde verschlungen sei.1) In der
Mitte der alten Dörfer lag gewöhnlich ein Teich, der als
Viehtränke diente, und dieser gab nach dem Volksglauben
die Stelle an, wo die Kirche gestanden hatte, deren Glocken
immer noch von Zeit zu Zeit aus der Tiefe heraufläuteten.2)
Die mit den profanierten oder abgebrochenen Kirchen
verbundenen Einkünfte wurden gewöhnlich nach den Vor-

Beispiele bei Neill, Topographische Beschreibung der wüsten
Ortschaften in Niederösterreich, 233. 328. Kamp schulte, Halling-
hausen, 195. Daher wurden solche Wüstungen näher durch die Vor-
setzung von „Versunken-“ oder „Lunken-“ bezeichnet wie durch
„Wüsten-“ oder „Öden-“, z. B. Heintz, Verschollene Ortsnamen, 114.
Versunkendierbach oder Lunkendierbach. — 2) Stephan Neill, Zur
Geschichte der abgekommenen Ortschaften in Niederösterreich. Blätter
des Vereines für Landeskunde von Niederösterreich. Neue Folge.
14. Jahrgang (1881), 342. Eine nie vertrocknende Lacke, die Kirchen-
lacke, bezeichnet die Stelle, wo die Pfarrkirche des wüsten Dorfes
Marquard8urfar gestanden haben soll. Max, Die ausgegangenen Ort-
schaften des Fürstentums Grubenhagen, 515. Die Kirche der Wüstung
Sösede stand dort, wo jetzt ein Sumpf, Katzhohl, liegt. Die Glocken
läuten in der Weihnachtsmitternacht. Förstemann, Verzeichnis der
untergegangenen Dörfer im Regierungsbezirke Erfurt, 272. Dasselbe
auf der Wüstung Bacherode. Hilmar von Strombeck, Die wüsten
Dörfer in dem Herzogi. Braunschweigischen Amtsgericht Vorsfelde.
Zeitschrift des historischen Vereins für Niedersachsen. Jahrgang 1834, 9.
Die Glocke der Kirche auf der Wüstung Brunsdorf liegt in einem
Brunnen, wo sie noch von Zeit zu Zeit läutet. Becker, Die im
Briloner Stadtgebiete untergegangenen Dorfschaften, 19. Auf der
Wüstung Altenbrilon liegt ein Teich mit nie versiegender Quelle, in
den die Kirche des Dorfes versunken ist. An den Vorabenden großer
Feste tönt noch Glockengeläute herauf. Leonard Korth, Volkstüm-
liches aus dem Kreise Bergheim. Annalen des historischen Vereins für
den Niederrhein. 52. Heft (1891), 40. Der Glockensprung, ein rundes
Loch auf der Kirdorfer Wiese, gibt die Stelle an, wo früher eine Kirche
gestanden hat. Über Erzählungen von versunkenen Glocken vgl. die
Literatur a. a. 0. Anm. 1. Menzel, Die Wüstungen vor Sanger-
hausen, 28. Trinius, Thüringer Wanderbuch. i. Band, Minden 1886,
301. Wolf, Beiträge zur deutschen Mythologie, Göttingen 1857, II, 294.

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer