Full text: Volume (3 (1913))

216

Josef Lappe,

weiter Entfernung von menschlichen Siedelungcn doch zweck-
los war1), stellen sich somit in überwiegender Mehrheit als
ehemalige Pfarrkirchen auf wüsten Siedelungen dar.
Aber aus der großen Zahl solcher Kirchen auf Wüstungen
blieben doch nur verhältnismäßig wenige für religiöse Zwecke
bestimmt2), viele fanden als Wohn- und Wirtschaftsgebäude
Verwendung3) oder wurden abgebrochen.4) Im letzten Falle
diente das Material wieder für Neubauten kirchlicherr>) oder
Übergang zum Christentum zu erleichtern, und so scheint auch diese
auf dem Berge in einem Eichwald erbaute Kirche entstanden zu sein“.
Ähnlich a. a. 0. 103. Nach Wigand (a. a. 0. 67) lag hier früher eine
Siedelung , die verödet ist, im Laufe der Zeit überzog sich nun die
Feldmark mit Wald, wie häufig geschehen ist, und so stand das Kirch-
lein, das früher die Pfarrkirche für mehrere Dörfer gewesen war, einsam
auf bewaldeter Höhe.
*) Otto, Wiesbadener Örtlichkeiten, 200. In der Nähe von Wies-
baden lag auf dem Friedhofe der Pfarrkirche die St. Michaelskapelle,
die noch regelmäßigen Gottesdienst hatte. Weil aber der Gottesdienst
schlecht besucht war, wurden die kirchlichen Verrichtungen in die
Pfarrkirche verlegt (1504). Die Errichtung von Kirchen und die
Stiftung von Benefizien hätte also gar nicht den beabsichtigten Zweck
erreicht, wenn die Gotteshäuser an einsamen Stätten gelegen hätten.
Das trifft besonders auch bei den Städten zu, in deren Feldmark
Kapellen lagen oder noch liegen. — 2) Über die Vorschriften betr.
kirchlicher Gebäude, die nicht mehr religiösen Zwecken dienen und
daher profaniert werden sollen, vgl. Hinschius, Kirchenrecht, 11,462.
Wernz, Ius Decretalium, II, 22f. Hergenröther-Hollweck,
Kirchenrecht, § 803. Friedberg, Kirchenrecht, §§ 112, 177. Säg-
müller, Kirchenrecht, §§ 69, 167. Stutz, Kirchenrecht, §88. —
s) Hosäus, Die Altertümer Anhalts, 193. Die Kirche der Wüstung
Kölbigk dient heute als Scheune, desgleichen die der Wüstung Salegast
(a. a. O. 175). G. Landau, Der Hof Rangen. Zeitschrift des Vereins
für hessische Geschichte und Landeskunde. 10. Band >,1865). Die
Kirche des wüsten Pfarrdorfes Rangen war 1572 die Wohnung eines
„Hohmannes“. — 4) K. Ed. Förstemann, Verzeichnis der unter-
gegangenen Dörfer usw. im Regierungsbezirke Erfurt. Neue Mit-
teilungen aus dem Gebiete historisch-antiquarischer Forschung. 2. Band
(1836). Die Kirche der Wüstung Weida wurde 1568 abgebrochen,
ebenso die von Liebedorf (a. a. 0. 274). Neill, Topographische Be-
schreibung der wüsten Ortschaften in Niederösterreich (Viertel unter
dem Mannhartsberge). Die Kirchen auf Wüstungen wurden infolge
der Reformen Josefs II. in Österreich fast durchweg abgebrochen,
z. B. in Ritzendorf (a. a. 0. 345) und St. Peter am Stein (a. a. 0.331).
— * *) Baumann, Abgegangene Orte der badischen Bar, 358. Die

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer