Full text: Volume (3 (1913))

Kirchen auf Wüstungen.

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Bisher war ausschließlich von dem Kirchenamte ohne
Rücksicht auf das damit verbundene Benefizium *) die Rede.
Bei der Verlegung des Pfarramtes in eine andere Kirche
des Sprengels blieb das Benefizium natürlich ebenso wie
überhaupt die Rechte unverändert erhalten2), zumal wenn
Soratfeld, 16f.), desgleichen die Vereinigung der wüsten Kirchen in
Reyne und Waldeser mit der Pfarrkirche zu Dessau im Jahre 1357 vom
Erzbischof von Magdeburg bestätigt. Th. Stenzei, Zur Geschichte
der Wüstungen Anhalts im Kreise Dessau, Döthen und Bernburg.
Mitteilungen des Vereins für Anhaitische Geschichte und Altertums-
kunde. 6. Band (1893), 131. Aus dieser Übertragung der Pfarrechte der
Wüstungskirchen auf die Pfarrkirche der Stadt erklärt sich die in
einigen Städten zu beobachtende Erscheinung, daß die Kirche mehrere
Patrone hat. „Das Vorkommen zweier Kirchenpatrone muß oft aus
der Translation des Pfarrechts aus einer Kirche in eine andere erklärt
werden.“ H. Kampschulte, Hallinghausen, weiland Pfarrort, Archi-
diaconalsitz, Freistuhl und Edelsitz Herzogtums Westfalen, Bistums
Paderborn. Zeitschrift für Geschichte und Altertumskunde Westfalens.
20. Band (1859), 205. Aus der Verlegung mehrerer Dörfer, insbesondere
der Kirchdörfer folgt aber nicht, daß in den Städten entsprechend
viele Kirchen entstanden sind, wie F. J. Mone, Über die ausgegangenen
Orte in Baden. Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins. 14. Band
(1862), 386 annimmt. Wenn nämlich in einem Dorfe oder in einer
Stadt zwei Kirchen erwähnt werden, soll nach Mone ein anderes Dorf
damit vereinigt sein. Danach hätten die Bewohner bei ihrer Ab-
wanderung auch die Kirche im neuen Wohnorte wieder aufgebaut und
so einen besonderen Pfarrsprengel gebildet wie vorher auf dem Lande.
Diese Ansicht wird aber dadurch widerlegt, daß die meisten Städte
nur eine Pfarrkirche haben, selbst wenn mehrere Kirchdörfer ein-
gepflanzt sind. Einige Städte erhielten freilich gleich nach ihrer
Gründung mehrere Pfarrkirchen (z. B. Soest und Paderborn), weil die
Bevölkerungszahl durch die Zusammenlegung der Ortschaften stark an-
gewachsen war, aber eine Rücksicht auf wüste Kirchdörfer hinsichtlich
der Zahl läßt sich dabei nicht feststellen.
Unter Benefizium versteht man „das mit einem Kirchenamte
dauernd verbundene, aus kirchlichem Vermögen fließende, fest radi-
zierte Einkommen für den Inhaber desselben bez. das Recht auf ein
derartiges Einkommen“. Hinschius, Kirchenrecht, II, 367. Stutz,
Kirchenrecht, § 93. Zur Aufhebung des Benefiziums ist der Bischof
berechtigt wie zur Errichtung desselben. Sägmüller, Kirchenrecht,
§ 68. — ®) Wernz, Ius Decretalium, II, 22 (De translatione). „Dos nova
in mera translatione officii ecclesiastici non est procuranda, quoniam
jura . . . non alternantur“. So wurden z. B. die Einkünfte der ver-
fallenen Kirche auf der Wüstung Billingsdorf (vier Hufen in der Feld-
mark Billingsdorf) einer Kapelle der genannten Pfarrei zugewiesen,

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