Full text: Volume (3 (1913))

Kirchen auf WüstuDgen.

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Diese Tatsache ist nicht immer erkannt worden, und daher
haben sich Irrtum er besonders in der Bestimmung der Zeit
der Verödung ergeben, indem aus der Erwähnung der Pfarr-
kirche auf einer Wüstung auf die Existenz des Ortes ge-
schlossen wurde. Ein lehrreiches Beispiel sei angeführt.
Im Jahre 1370 wird Klein-Drakenstedt als wüst bezeichnet
(„in minori villa Drakenstede deserta"), und kaum ein
Menschenalter später (1406) wird die Pfarrkirche zu Klein-
Drakenstedt erwähnt („rector parochialis ecclesie in parva
Drakenstede“). Dazu bemerkt Danneil: „Vielleicht läßt sich
dieser scheinbare Widerspruch durch die Annahme beseitigen,
daß der Ort um 1370 an der in jener Zeit um Magdeburg
grassierenden Pest mehr oder weniger ausgestorben und
„wüst" geworden war, sich aber um 1406 wieder erholt und
seinen Pfarrer hatte“.1) Weil hier gar kein „Widerspruch"
vorliegt, ist auch die „Annahme“ überflüssig.
Die richtige Deutung der hier behandelten Erscheinungen
ist meist durch das Vorurteil verhindert worden, daß man
sich unter der Verödung eines Ortes eine gewaltsame Zer-
störung dachte, der auch die Kirche zum Opfer fiel, während
sie gewöhnlich durch eine geordnete und geschlossene Ab-
wanderung herbeigeführt wurde. Während aber die bäuer-
lichen Wohnungen und Wirtschaftsgebäude bei dem aus-
schließlichen Fachwerkbau ohne außergewöhnliche Mühe und
große Verluste verlegt werden konnten, waren die Kirchen
wüst war. Karl Meyer, Zur Wüstungskarte der Grafschaft Honstein-
Lolira-Clettenberg. Zeitschrift des Harzvereins für Geschichte und
Altertumskunde. 10. Band (1877), 114. Im Jahre 1321 wird nach der
Verödung von Untersalza der „plebanus in inferiori Salza“ genannt.
Landau, a. a. 0. 172. Nach der Verödung von Holzkirchen noch 1350:
„Deynhardus pastor parochialis ecclesiae in Holzkirchen“.
*) Danneil, Der Kreis Wolmirstedt, 185. Daß in den Patronat-
rechten über die Kirchen auf Wüstungen nach dem Verschwinden des
Kirchdorfs keine Änderung eintrat, bedarf eigentlich kaum einer
besonderen Erwähnung. Büttner Pfänner zu Thal, Anhalts Bau-
und Kunstdenkmäler nebst Wüstungen. Dessau und Leipzig 1892—95,
212. Im Jahre 1359 bestätigt der Bischof von Halberstadt einem
Kloster in Bernburg das Patronatrecht über die Kirche zu Wulmers-
dorf, das schon 1321 als wüst bezeichnet wird. Ebenso gehörten diese
Kirchen auch fernerhin zu den gleichen Archidiakonaten wie früher

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