Full text: Volume (3 (1913))

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Emil Ott,

fechtung der Berufung des Vorgängers zur Bischofswürde
(1198, 1202)1) und im Hinblicke auf die kurz vorher (12. Juni
1213) erfolgte Anerkennung des freien Wahlrechts der Kapitel
im deutschen Reiche.
Bald sollte jedoch der Kampf um die Rechte der Kirche
gegenüber der weltlichen Macht auf der ganzen Linie ent-
brennen. Ihn entfachte der für die Rechte der Kirche
begeisterte Bischof Andreas nach seiner Rückkehr von Rom,
wo er während des großen Konzils vom Lateran 1215 die
Bischofsweihe empfangen hatte. Als erste Etappe galt es,
den Klerus möglichst unabhängig von der weltlichen Gewalt
zu stellen. Um dies zu erreichen, wurde die Priesterehe,
gegen welche bereits päpstliche Legaten aufgetreten waren,
nunmehr mit aller Kraft bekämpft, da in Böhmen nach dem
Zeugnisse einer vom Papste Honorius III. 1216 erteilten
Dispens vom Mangel ehelicher Geburt für Weihe und Pfründe
seit alters her (ab antiquo) Kleriker höherer Weihen, ins-
besondere auch Priester „de facto contraherent et sic con-
tracto contubernio uterentur“.2)
Bald folgte der zweite weiter reichende Schritt. Mit dem
Ankämpfen gegen die Verletzung des privilegium fori und gegen
die Eigenkirche wurde das Ringen um Leistung des Zehnten in
dem durch das kanonische Recht bestimmten Umfange ver-
bunden. Ernstlich ermahnt der genannte Papst mit einem
Rügeschreiben vom 22. Juni 1217 den König3), er möge
bewirken, daß die Kirche und ihre Diener in seinem Reiche
der ihnen gebührenden Freiheit sich auch in der Tat er-
freuten ; dem Bischöfe seien zu überlassen die Rechtsprechung
über Kleriker (judicia clericorum), die Kircheninvestitur und
„alles, was dem Bischöfe zustehe“. Der König möge selbst
ablassen von der Unterdrückung der Kirchen und der Aus-
übung des Zehntrechts und dafür Sorge tragen, daß andere
ähnlich sich verhalten.

*) Reg. Boh. I Nr. 440,465, in welchen dem Domkapitel das Wahl-
recht zugeschrieben wird. — 2) Reg. Boh. I Nr. 570. — 3) Reg. Boh.I Nr. 578.
Das von Dudfk: Geschichte Mährens V 8. 103 A. 3 und 8. 126 ff.
zitierte und von ihm verwertete Urkundenmaterial, welches Nikolaus
de Bohemia in seinem Chronicon Bohemicum aufspeicherte, ist nun-
mehr veröffentlicht in F. R. B. V p. 126ff.

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