Full text: Volume (3 (1913))

Das kanonische Recht in Böhmen und Mähren.

95

Arbeit oder einer Kompilation an sich trägt, läßt sich mangels
Einblicks in dasselbe nicht sagen.1)
Ein äußerst fesselndes Beispiel des gelegenheitlichen
Auftretens fremder Rechtsgelehrter an der Prager Hochschule
gewährt der Mailänder Ubertus de Lampugnano, Professor
zu Pa via und Zeitgenosse des Baldus. Er verweilte im
November 1385 als Gesandter des kaiserlichen Vikars in der
Lombardei, Johann Galeazzo Visconti, am königlichen Hofe
Wenzels IV. in Prag und hielt während dieses Aufenthalts
an der Universität repetitiones juris2), in denen er ver-
schiedene Rechtsfragen behandelte. Vor allem die Frage,
ob der deutsche Kaiser sogleich nach seiner feierlichen Wahl
den Namen eines Kaisers (nomen imperatoris omnium re-
spectu) erwerbe oder erst nach der erfolgten Kaiserkrönung,
eine Frage, welche nach Savignys Meinung dem Vortragenden
in der Geschichte des deutschen Staatsrechts einen bleibenden
Namen erworben hat.3) Durch die bejahende Beantwortung
dieser Frage wollte Ubertus den König Wenzel, welchem
der Papst wegen der Kaiserkrönung Schwierigkeiten bereitete,
für sich gewinnen; denn gewöhnlich berief man sich auf
Quellenstellen, welche dem Papste günstiger waren als dem
Kaiser, während Ubertus versuchte, eine dem Kaiser günstige
Lösung zu finden.4)
In einer zweiten Repetitio behandelte dieser Gelehrte
die Frage, ob alle Fürsten, Könige und Völker christlicher
Religion dem römischen Reiche unterworfen seien, oder ob
mit Recht behauptet werden könne, daß einzelne durch
Privileg, Gewohnheitsrecht (praescriptione) oder in anderer
*) Baibin, Bobern, docta I p. 80. In der cancellaria Joannis
de Novo Foro (Arch. für österr. Gesch. 1886 Bd. 68 cd. Tadra) findet
sich keine nähere Andeutung hierüber, obwohl in mehreren Briefen
von der Abschrift verschiedener Bücher durch dazu gemietete Schreiber
Erwähnung gemacht wird (8. 14). — 2) Alle Fragen mit Ausnahme der
im Texte an letzter Stelle erwähnten, werden erörtert in der bei Schulte,
Kan. IJ.S. unter Nr. ‘206 angeführten H.S., welche sich im Besitze des Prag.
Domkap. befindet. Die quaestio de institutionibus behandelt nach Mit-
teilung Muthers, Zur Gesch. der Rechtswiss. und der Univ. in Deutschland
8. 107 eine H.S. der Pyl-Rubenow-Bibl. in Greifswald. — s) Savigny,
Gesch. des röm. Rechts im M.A. VI 8. 488 berichtet nur von diesem
Vortrage. — 4) Zeitschx*. für Rechtsgesch. I S. 346; II 8. 242.

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer