Full text: Volume (Jg. 12 (1847))

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Schuldrnwesen überhaupt zu schaffen, was aber bei den
Schöffengerichten alles zugleich in deren Händen ist, so
daß sie von allen auf das Interesse ihrer Mündel Be-
zug habender Angelegenheiten nicht nur die vollständigste
eigene und unmittelbare Kenntniß haben, sondern auch
alle Rechtöveränderungen durch sie selbst zu Stande ge-
bracht werden. Welch großer Unterschied also in Be,
Ziehung auf das Vormundschaftwcsen zwischen den Frie-
densgerichten resp. dem Familienrath und den Schöffen-
gerichten ist, geht schon hieraus hervor, ganz abgesehen
von den außerordentlich vielen Formalitäten, die zu den
Verhandlungen der erstercn resp. des Familienrechts nach
französischem Rechte gehören.
Betrachten wir das Hypothckenwesen bei den Schöf-
fengerichten, so finden wir hier eine Garantie, die, wie
bekannt, das französische Recht, schon deßhalb gar nicht
geben kann, weil cs gar keine Sicherheit dafür gibt,
daß der Verpfänder in dem Augenblicke, wo er die Hy-
pothek bestellte, noch Eigenthümer war, und weil es auch
gegen die stillschweigende Hypotheken der Ehefrau des
Mündels, und des Jnterdicirten keinerlei Schutz gewährt.
Unser preußisches Hypothckenwesen, grundsätzlich eine
Rechtsverletzung enthaltend, nämlich von dem Satze aus-
gehend, daß derjenige, der bona fide und titulo one-
roso auf ein Rechtsgeschäft cingrht, welches die Erwer-
bung eines dinglichen Rechts am Immobilie zuui Gegen-
flande hat, wenn er dieses Recht im Hypothekenbuche hat
eintragen lassen, insoweit absolut sicher ist, daß zu seinen
Gunsten der vorstehende Inhalt des Hypothekenbuchs als
richtig und dem wirklichen Rechte entsprechend angenom-

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