Full text: Volume (Jg. 9 (1844))

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unter den Kindern der aufgelösten Ehe nach §. 9 und
zwar nach den zur Zeit der Auseinandersetzung vorwal-
tendcn Umstanden zu bestimmenden Anerben übergehen
solle; hiernach also bis dahin, d. h. bis zur Auseinan-
dersetzung, das Eigcnthum dem Ucbcrlebciiden zugestan-
den haben müsse, weil ja erst von da an das Eigen-
thum auf den Anerben übergehe.
Allein diese Auslegungsart steht vorerst in direk-
tem Widerspruche mit dem durchgreifenden Succeflions«
Grundsatz des §. 12, wornach das Eigcnthum des Gu-
tes sofort auf die Kinder vererbt wird, ein Satz, der
auch im Falle der Gütergemeinschaft, wenn auch nur
mit Maaßgaben modisicirt, zur unbedingten Anwendung
kommt. Sie sieht ferner in direktem Widerspruche mit
dem §. 15, d.r nur beide» Eheleuten eine gemeinschaft-
liche Disposition über die Erbfolge und die Wahl des
Anerben gestattet, während der Ucbcrlebende, wenn er
nach jener Ansicht Eigenthümcr und freier Dispositions-
berechtigter bliebe, durch den Tod des andern Ehegatten
offenbar für sich allein einseitige Dispositionsrechte er-
langen würde, die ihm das Gesetz, mit Ausnahme der
Befugniß zur Ernennung des Anerben, aber nirgends
beigclegt hat, und um so weniger beilegen wollte, da
die ganze Tendenz des Gesetzes dahin geht, sobald nicht
beide Ehegatten unter Lebenden einen andern gemein-
schaftlichen Willen zu erkennen gegeben, für die Kinder
in dem Besitze der Familie ungctheilt zu erhalten, oder,
wie der Eingang des Gesetzes wörtlich sagt, das Erbe
der Väter wiederum unverkürzt den Nachkommen zu
hinterlassen.

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