Full text: Volume (Jg. 9 (1844))

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«'S. Ü51 sehr oft der Fall ereignet hat, daß auf derr
Dörfern sich Niemand fand, der die Unterschrift des
Protokolls für die Parthci zu verrichten im Stande war,
>A es ohne Zweifel jetzt anders geworden. Wäre dies
aber auch nicht, so würde gerade ein solcher Zustand für
diesen Landestheil die Vorschrift als unausführbar und
darum als zweckwidrig erscheinen lassen. Daß die jetzt
nur noch geringe Zahl der Analphabeten in nicht ferner
Zeit nach und nach ganz verschwunden sein werde,
scheint mit Grund erwartet werden zu dürfen. Tic
Vorschrift des Anhangs §. 5 kann deshalb nur noch in
wenigen Fällen Anwendung finden und wird nach und
nach ihre Anwendarkeit ganz verlieren. Diese wenigen
Fälle können keinen hinreichenden Grund abgebcn, für
die längere Fortdauer einer in mancher Beziehung be,
dcnklichen Bestimmung. Zudem ist bei den meisten der
wirklich deS Schreibens und Lesens Unkundigen dieser
Zustand ei» verschuldeter, welcher deshalb keine beson«
derc Berücksichtigung von Seiten des Staats im In«
teresse der Analphabeten verdient. Urberhaupt darf,
meines Erachtens, die Rücksicht, welche die Gesetzgebung
auf die Eigenschaft des Analphabeten zu nehmen hat,
nur von einem allgemeinen Interesse ausgchen. Diesem
wird völlige Genüge geleistet, wenn verordnet wird,
daß Privat-Verträge und Privat-Instrumente nur wi»
der denjenigen eine Verbindlichkeit oder einen Beweis
begründen sollen, der sie eigenhändig unterschrieben hat;
Verträge und Instrumente aber, welchen diese Unter-
schrift fehlt, nur dann, wenn sie gerichtlich oder no-
tariell errichtet sind.

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