Full text: Neues Archiv für preussisches Recht und Verfahren, sowie für deutsches Privatrecht (Jg. 9 (1844))

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Ueber den zweifelhaften Besitz bestimmter Kenntnisse
oder Fertigkeiten kann nur ein Gramen durch Sachver-
ständige entscheide», an welche dann auch die Leute mit
undeutlichen oder unleserlichen Handschriften verwiesen
werden mögen. Bekanntlich aber sind die Richter weder
Schreibmeister überhaupt, noch erfahrene, und selbst
von solchen möchte sich in wenigen wirklich zweifel-
haften Fällen Einstimmigkeit des Urtheils erwarten las-
sen. Noch mehr geht ihnen die Befugniß und Muße zu
einem Gramen über zweifelhafte Kunde des Lesens und
Schreibens ab. Sie sind deshalb auf bloße Fragen an
die Parthcien angewiesen, zu welchen meist nur der
Gedanke an den §. 5 des Anhangs oder das Gcbahren
der Parthei bei der Unterschrift selbst Veranlassung gibt.
In den höheren Regionen, wo die Gesetze erlassen,
deklarirt oder aufgehoben werden, ist schwerlich etwas
davon bekannt, wie ungenügend und selbst unabsichtlich
veratorisch die Antworten auf die Frage: ob Jemand
lesen und schreiben könne?« gemeiniglich ausfallen. Zu
bemerken ist übrigens, daß solche Antworten gewöhnlich
mit der Versicherung, lesen und schreiben zu können,
die meiste Aehnlichkeit haben, so daß zuletzt die größere
oder geringere Aengstlichkeit oder das subjektive Dafür-
halten des Richters den Ausschlag gibt.
Zur Veranschaulichung des Gesagte» will ich fol-
gende Falle blos aus meiner eigenen Praxis anführen.
1. Ich hatte einst eine Zusatzverhandlung zu einer
Schuld- und Pfandverschreibung über ein zinsbares
Darlehen, eine fernere Verpfändung betreffend, von
einer betagten Wittwe vom Lande aufzunebmen. Ta

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