Full text: Volume (Jg. 9 (1844))

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angebliche Mangel der fraglichen Fertigkeit in dem gänz-
lichen Mangel des dazu erforderlichen Unterrichts seine
Ursache haben soll, hat der Richter keinen Grund, sich
bei der eigenen Angabe der Parthei nicht zu beruhigen-
Ein anderer und wichtigerer Grund des Zweifels liegt
in den möglichen verschiedenen Graden, welche zwischen
eigentlicher Fertigkeit und gänzlicher Unkunde in der
Mitte liegen und die verschiedenartigsten Ursachen haben
können. Dahin gehören mehr oder weniger fortgesetzte
Uebung *), Verschiedenheit der gewohnten Beschäftigung
u. dergl. Dabei ist noch in besondern Betracht zu zie-
hen, daß diese Fertigkeit und ein bestimmter Grad der-
selben oft, einmal erworben, allmählig wieder auf einen
geringem Grad herabsinken oder gar gänzlich verloren
gehen können, wie dies ja auch bei anderen Kenutnissen
und Fertigkeiten^ namentlich bei Sprachkenntnissen, der
Fall ist, so daß nicht selten ein Einzelner nicht sofort
und ohne vorherigen Versuch sich selbst darüber Antwort
und Rechenschaft geben kann. Ein solcher Mangel oder
niedriger Grad der Fertigkeit kann sogar in irgend einer
vorübergehenden Ursache beruhen und deshalb selbst nur
vorübergehend sein. So gibt es Personen, deren Schreib-
fähigkeit oder Unfähigkeit von einem genossenen oder nicht
genossenen Glase Branntwein abhängt; Andere, die mit
her gewohnten Brille ihre ganze Kunde des Lesens und
Schreibens zu Hause lassen.
8) Eine bejahrte Frau, welche lesen und schreiben konnte,
zu ihrer Unterschrift aber gewaltige Anstalten machte,
versicherte, daß sie seit 40 Jahren nicht mehr geschrie-
ben habr!

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